Philosophie im Alltag III: Deine Innere Burg
Die Innere Burg: Dein unerschütterlicher Raum in stürmischen Zeiten

Stell dir vor, du stehst mitten in einem Sturm. Um dich herum wirbelt alles durcheinander – Menschen haben Erwartungen an dich, Nachrichten prasseln auf dich ein, Termine jagen sich, vielleicht kritisiert dich jemand unfair oder eine Krise erschüttert deinen Alltag.
Und mittendrin stehst du. Wie wäre es, wenn es in dir einen Ort gäbe, der von all dem unberührt bleibt? Einen Raum, in den kein Sturm der Außenwelt eindringen kann?
Die alten Stoiker – vor allem Seneca und Marc Aurel – nannten diesen Ort die "Innere Burg". Keine physische Festung aus Stein, sondern ein mentaler Raum, den niemand erobern kann außer dir selbst. Ein Refugium der Gelassenheit, das immer verfügbar ist, egal was draußen geschieht.
Was die Innere Burg bedeutet
Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph, schrieb in seinen Selbstbetrachtungen: "Die Menschen suchen Zufluchtsorte auf dem Land, am Strand, in den Bergen. Aber das ist alles sehr simpel, denn du kannst dich zu jeder Stunde in dich selbst zurückziehen."
Die Innere Burg ist keine Flucht vor der Welt. Sie ist vielmehr die Erkenntnis, dass es einen Teil in dir gibt, den äußere Umstände nicht kontrollieren können. Deine Gedanken, deine Bewertungen, deine innere Haltung – das sind die Mauern deiner Burg. Nicht die Ereignisse selbst bestimmen dein inneres Erleben, sondern wie du zu ihnen stehst.
Seneca drückte es so aus: Nicht das, was uns widerfährt, sondern wie wir darüber denken, macht uns glücklich oder unglücklich.
Wenn die Außenwelt dich überrollt
Kennst du diese Momente, in denen du dich völlig ausgeliefert fühlst? Dein Chef kritisiert dein Projekt vor allen. Ein Freund sagt etwas Verletzendes. Die Nachrichten sind düster. Der Stau macht dich wahnsinnig. In solchen Momenten vergessen wir oft, dass wir eine Wahl haben – nicht bei dem, was passiert, aber bei dem, wie wir damit umgehen.
Die Stoiker unterschieden klar zwischen dem, was in unserer Macht steht, und dem, was nicht in unserer Macht steht. In deiner Macht steht: deine Einstellung, deine Reaktion, deine Interpretation. Nicht in deiner Macht steht: das Wetter, die Meinung anderer, vergangene Ereignisse, die meisten äußeren Umstände.
Die Innere Burg zu bewohnen bedeutet, diese Unterscheidung zu verinnerlichen. Du ziehst dich zurück in das, was wirklich dir gehört – deine innere Freiheit.
Der Unterschied zwischen Reaktion und Antwort
Viktor Frankl, der selbst durch die Hölle der Konzentrationslager ging, sagte später: "Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit."
Genau dieser Raum ist deine Innere Burg. Wenn jemand dich kritisiert, ist die erste Regung vielleicht Wut oder Verletzung. Aber bevor du reagierst, kannst du dich für einen Moment in deine Burg zurückziehen. Dort fragst du dich: Ist diese Kritik berechtigt? Kann ich daraus lernen? Sagt sie mehr über mich oder über den anderen aus? Welche Reaktion entspricht meinen Werten?
Dieser kurze Rückzug – manchmal nur ein Atemzug lang – verwandelt dich vom Opfer der Umstände zum Gestalter deiner Erfahrung.
Praktische Wege in deine Innere Burg
1. Die Morgenfestigung
Beginne deinen Tag damit, die Mauern deiner Burg zu stärken. Marc Aurel tat dies, indem er sich morgens vorbereitete: "Heute werde ich Menschen begegnen, die geschwätzig, undankbar, überheblich sind. All dies geschieht ihnen aus Unwissenheit über Gut und Böse. Aber ich kann nicht verletzt werden."
Nimm dir jeden Morgen fünf Minuten. Setze dich hin und stelle dir vor, was heute kommen könnte. Visualisiere Herausforderungen – einen schwierigen Kollegen, einen Stau, eine unangenehme Aufgabe. Und dann sage dir: "Was auch kommt, meine innere Ruhe bleibt bei mir. Ich habe die Wahl, wie ich damit umgehe."
2. Der Stoische Atemraum
Wenn eine Krise eintritt oder dich etwas aus der Fassung bringt, nutze diese Übung:
- Stopp: Halte einen Moment inne. Erkenne, dass du gerade emotional reagierst.
- Atme: Drei tiefe Atemzüge. Stell dir vor, wie du mit jedem Ausatmen einen Schritt zurücktrittst – in deine Burg hinein.
- Beobachte: Was passiert gerade wirklich? Trenne Fakten von Interpretationen. "Er hat gesagt..." (Fakt) ist etwas anderes als "Er hasst mich" (Interpretation).
- Wähle: Welche Reaktion würde dein bestes Selbst wählen? Welche Reaktion passt zu deinen Werten?
3. Die abendliche Wachablösung
Seneca empfahl, jeden Abend den Tag zu reflektieren. Frage dich:
- Wann habe ich heute die Mauern meiner Burg verlassen und mich von äußeren Umständen mitreißen lassen?
- Wann habe ich in meiner Burg Zuflucht gefunden und gelassen reagiert?
- Was hat mir geholfen, bei mir zu bleiben?
- Was könnte ich morgen anders machen?
Schreibe diese Reflexionen auf. Nicht um dich zu verurteilen, sondern um zu lernen. Die Innere Burg wird stärker mit jeder bewussten Übung.
Abgrenzung ohne Kälte
Vielleicht fragst du dich jetzt: Bedeutet die Innere Burg, dass ich kalt und distanziert werden soll? Dass mir andere egal sein sollen?
Ganz im Gegenteil. Die Stoiker sprachen von "Sympatheia" – der Verbundenheit aller Menschen. Marc Aurel erinnerte sich täglich daran, dass wir füreinander gemacht sind, dass wir einander helfen sollen.
Die Innere Burg schützt dich nicht vor Mitgefühl, sondern vor Mit-Leiden. Du kannst für andere da sein, ohne dich in ihrem Drama zu verlieren. Du kannst lieben, ohne abhängig zu werden. Du kannst dich kümmern, ohne dich zu verlieren.
Es ist wie bei einem Rettungsschwimmer: Er springt ins Wasser, um andere zu retten, aber er behält immer die Kontrolle über sich selbst. Würde er panisch werden und um sich schlagen, könnte er niemanden retten.
Wenn die Krise wirklich groß ist
Die Innere Burg ist kein Allheilmittel gegen Schmerz. Wenn du einen geliebten Menschen verlierst, wenn du eine schwere Diagnose bekommst, wenn deine Welt zusammenbricht – dann ist Trauer richtig und wichtig.
Aber selbst hier bietet die Innere Burg Halt. Sie verändert nicht das Ereignis, aber sie gibt dir einen Ort, von dem aus du damit umgehen kannst. Einen Ort, der sagt: "Das ist furchtbar. Aber ich werde nicht daran zerbrechen. Ich bin mehr als das, was mir widerfährt."
Seneca, der Exil, Verfolgung und persönliche Tragödien erlebte, schrieb: "Ein Schicksal, das du nicht ändern kannst, solltest du umarmen." Nicht resigniert, sondern mit Würde. Die Innere Burg gibt dir diese Würde.
Deine Übung für diese Woche
Ich lade dich ein, diese Woche jeden Tag zweimal bewusst in deine Innere Burg zurückzukehren:
Einmal proaktiv: Morgens oder in einem ruhigen Moment. Setze dich für drei Minuten hin, atme tief und erinnere dich: "Ich habe einen Raum in mir, der unberührbar ist. Was auch heute kommt – dieser Raum bleibt mein."
Einmal reaktiv: Wenn dich etwas aufregt oder aus dem Gleichgewicht bringt. Halte inne, atme, ziehe dich zurück. Frage dich: "Was liegt in meiner Macht? Wie will ich hiermit umgehen?"
Notiere abends in einem Satz: Wie hat es sich angefühlt, in die Innere Burg zurückzukehren?
Zum Schluss
Die Innere Burg ist kein Ort, den du einmal findest und dann für immer besitzt. Sie ist eine Praxis, eine tägliche Entscheidung. Manche Tage wirst du fest in deiner Burg stehen, unerschütterlich. Andere Tage wird dich der Sturm mitreißen, und das ist okay.
Marc Aurel, der mächtigste Mann seiner Zeit, kämpfte jeden Tag darum, in seiner Inneren Burg zu bleiben. Seine Selbstbetrachtungen waren keine Weisheiten für andere – sie waren Erinnerungen an sich selbst, immer wieder zu üben.
Auch du wirst üben. Und mit jedem Mal, wenn du dich in der Hektik des Lebens an diesen unerschütterlichen Raum in dir erinnerst, werden die Mauern ein bisschen stabiler.
Du trägst deine Zuflucht immer bei dir. Niemand kann sie dir nehmen. Das ist deine Macht. Das ist deine Freiheit.
Philosophie für den Alltag II: Epiktet
22/11/25 19:26 Filed in: Seele | Philosophie
Epiktet: Antike Weisheit für moderne Zeiten – Stoische Philosophie für deinen Alltag
Serie: Philosophie für den Alltag. Teil 2.

Stell dir vor, du lebst als Sklave im antiken Rom. Kein Besitz, keine Freiheit, dein Körper gehört einem anderen Menschen. Und ausgerechnet in dieser Situation entwickelst du eine Philosophie, die Menschen auch 2000 Jahre später hilft, mit Jobverlust, Beziehungskrisen und Ängsten umzugehen.
Das ist die Geschichte von Epiktet – einem der einflussreichsten stoischen Philosophen, dessen Lehren heute aktueller sind denn je. In meiner Praxis- und an mir selbst- erlebe ich täglich, wie Menschen unter dem Druck unserer Zeit leiden.
Die stoische Philosophie bietet hier einen praktischen, erdenden Gegenpol zu all den schnellen Lösungsversprechen.
Wer war Epiktet – und warum sollte dich das interessieren?
Epiktet wurde um 50 n. Chr. als Sklave in Hierapolis geboren. Sein Name bedeutet wörtlich „der Hinzuerworbene" – er war Besitz, keine Person. Trotz oder gerade wegen dieser extremen Unfreiheit entwickelte er eine Philosophie der inneren Freiheit, die bis heute besticht.
Was Epiktets Lehre so kraftvoll macht: Sie entstand nicht im Elfenbeinturm, sondern unter härtesten Lebensbedingungen. Er wusste, was es bedeutet, machtlos zu sein. Und genau diese Erfahrung machte ihn zum Meister darin, zwischen dem zu unterscheiden, was wir kontrollieren können – und was nicht.
Diese Unterscheidung ist das Herzstück seiner Philosophie. Und sie ist heute, in einer Welt voller Krisen, Unsicherheiten und Überforderung, deine größte Chance auf echte Gelassenheit.
Die "Dichotomie der Kontrolle": Dein wichtigstes Werkzeug

Epiktets zentrale Erkenntnis lautet:
„Es gibt Dinge, die in unserer Macht stehen, und Dinge, die nicht in unserer Macht stehen."
Klingt simpel? Ist es auch. Aber die meisten Menschen leiden genau daran, dass sie diese Grenze nicht ziehen können.
Was liegt in deiner Kontrolle:
Was liegt NICHT in deiner Kontrolle:
Die Revolution liegt darin: Sobald du aufhörst, Energie in unkontrollierbare Dinge zu stecken, gewinnst du unglaublich viel Kraft für das, was wirklich in deiner Hand liegt.
Praktische Übung 1: Die Kontroll-Inventur
Nimm dir 10 Minuten Zeit und ein Blatt Papier:
Diese Übung führe ich regelmäßig mit Patienten in meiner Praxis durch. Die Erleichterung, wenn Menschen erkennen, wie viel Ballast sie tragen, den sie gar nicht tragen müssen, ist jedes Mal bewegend.
Die Macht der Perspektive: Ereignisse sind neutral
Epiktet hatte eine radikale Überzeugung: Die Dinge selbst beunruhigen uns nicht, sondern unsere Meinungen über die Dinge.
Ein Beispiel aus dem modernen Alltag:
Das Ereignis ist identisch. Dein Leiden oder Nicht-Leiden entsteht durch die Bewertung.
Das bedeutet NICHT, dass du alles schönreden sollst. Es bedeutet, dass du dir bewusst machst: Du hast eine Wahl. Dar8n liegt deine Freiheit.
Stoizismus ist keine emotionale Abstumpfung
Ein häufiges Missverständnis: Stoiker seien gefühlskalt. Das Gegenteil ist wahr.
Epiktet lehrte nicht, Emotionen zu unterdrücken, sondern sie zu verstehen und mit ihnen weise umzugehen. Die Stoiker unterschieden zwischen:
Destruktiven Leidenschaften:
Gesunden Emotionen:
Der Unterschied? Gesunde Emotionen entspringen deinen bewussten Werten und helfen dir zu wachsen. Destruktive Leidenschaften kontrollieren dich und lassen dich leiden.
Praktische Übung 2: Das abendliche Reflexionsritual
Epiktet empfahl, jeden Tag zu reflektieren. Nimm dir abends 5-10 Minuten:
Diese Praxis ist keine nette Beilage – sie ist das Krafttraining für deine innere Stärke. Wie beim Sport: Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
Amor Fati: Liebe dein Schicksal
Eine der kraftvollsten stoischen Ideen: Amor Fati – die Liebe zum Schicksal.
Das bedeutet nicht, passiv alles zu akzeptieren. Es bedeutet, das Unvermeidbare nicht nur zu ertragen, sondern es zu umarmen, weil es dein Leben IST.
Stell dir vor:
Nicht entweder-oder. Sowohl-als-auch.
Diese Haltung ist keine Verleugnung des Schmerzes. Sie ist die Weigerung, dem Schmerz zu erlauben, deine ganze Existenz zu definieren.
Memento Mori: Die Kunst, bewusst zu leben
Die Stoiker meditierten regelmäßig über den Tod – nicht aus Morbidität, sondern als Weckruf zum Leben.
„Du könntest heute sterben" ist keine deprimierende Drohung, sondern eine befreiende Wahrheit. Sie zwingt dich zu fragen:
Praktische Übung 3: Der Morgen-Check-In
Beginne deinen Tag mit dieser 2-Minuten-Meditation:
Diese Übung verändert die Qualität deines Tages fundamental. Nicht dramatisch, sondern subtil – aber nachhaltig.
Die stoische Rolle: Spiele dein Spiel gut
Epiktet nutzte die Metapher des Schauspielers: Dir wurde eine Rolle im Leben zugeteilt – ob reich oder arm, gesund oder krank, erfolgreich oder kämpfend. Du kannst die Rolle nicht wählen. Aber du kannst wählen, wie du sie spielst.
Das ist radikal: Deine Würde hängt nicht von deinen Umständen ab, sondern davon, wie du dich in ihnen verhältst.
Konkret bedeutet das:
Nicht das, was dir passiert, definiert dich. Sondern wie du damit umgehst.
Stoizismus und ganzheitliche Medizin: Eine natürliche Verbindung
In einer ganzheitlichen Praxis lassen sich philosophische Ansätze mit körperlichen und energetischen Behandlungen gut kombinieren. Warum? Weil echter Heilungsprozess alle Ebenen umfasst.
Die stoische Philosophie bietet:
Kombiniert mit ganzheitlichen Behandlungsansätzen entsteht ein kraftvolles Werkzeug für tiefgreifende Transformation.
Dein stoischer Alltag: Klein anfangen
Du musst nicht dein ganzes Leben umkrempeln. Beginne mit kleinen, konkreten Schritten.
Hier eine Buchempfehlung. Ein Tagebuch mit täglichen philosophischen Fragen an dich:

Stoizismus ist keine Theorie – es ist Training.
Wenn die Krise zu groß wird
Stoische Philosophie ist kraftvoll, aber kein Ersatz für professionelle Hilfe. Wenn du merkst, dass du:
Dann such dir Unterstützung. Stärke zeigt sich auch darin, um Hilfe zu bitten.
Epiktet lebte vor 2000 Jahren, aber seine Fragen sind zeitlos:
Die stoische Philosophie bietet keine schnellenLösungen. Sie bietet etwas Wertvolleres: einen Weg zu echter innerer Freiheit, unabhängig von äußeren Umständen.
In den kommenden Beiträgen dieser Serie werden wir weitere stoische Philosophen kennenlernen – Marc Aurel, Seneca – und vertiefen, wie du diese antike Weisheit praktisch in deinen modernen Alltag integrierst.
Serie: Philosophie für den Alltag. Teil 2.

Stell dir vor, du lebst als Sklave im antiken Rom. Kein Besitz, keine Freiheit, dein Körper gehört einem anderen Menschen. Und ausgerechnet in dieser Situation entwickelst du eine Philosophie, die Menschen auch 2000 Jahre später hilft, mit Jobverlust, Beziehungskrisen und Ängsten umzugehen.
Das ist die Geschichte von Epiktet – einem der einflussreichsten stoischen Philosophen, dessen Lehren heute aktueller sind denn je. In meiner Praxis- und an mir selbst- erlebe ich täglich, wie Menschen unter dem Druck unserer Zeit leiden.
Die stoische Philosophie bietet hier einen praktischen, erdenden Gegenpol zu all den schnellen Lösungsversprechen.
Wer war Epiktet – und warum sollte dich das interessieren?
Epiktet wurde um 50 n. Chr. als Sklave in Hierapolis geboren. Sein Name bedeutet wörtlich „der Hinzuerworbene" – er war Besitz, keine Person. Trotz oder gerade wegen dieser extremen Unfreiheit entwickelte er eine Philosophie der inneren Freiheit, die bis heute besticht.
Was Epiktets Lehre so kraftvoll macht: Sie entstand nicht im Elfenbeinturm, sondern unter härtesten Lebensbedingungen. Er wusste, was es bedeutet, machtlos zu sein. Und genau diese Erfahrung machte ihn zum Meister darin, zwischen dem zu unterscheiden, was wir kontrollieren können – und was nicht.
Diese Unterscheidung ist das Herzstück seiner Philosophie. Und sie ist heute, in einer Welt voller Krisen, Unsicherheiten und Überforderung, deine größte Chance auf echte Gelassenheit.
Die "Dichotomie der Kontrolle": Dein wichtigstes Werkzeug

Epiktets zentrale Erkenntnis lautet:
„Es gibt Dinge, die in unserer Macht stehen, und Dinge, die nicht in unserer Macht stehen."
Klingt simpel? Ist es auch. Aber die meisten Menschen leiden genau daran, dass sie diese Grenze nicht ziehen können.
Was liegt in deiner Kontrolle:
- Deine Gedanken und Überzeugungen
- Deine Reaktionen und Emotionen (mit Übung)
- Deine Werte und Prinzipien
- Deine Handlungen und Entscheidungen
- Deine Anstrengungen und dein Einsatz
Was liegt NICHT in deiner Kontrolle:
- Das Verhalten anderer Menschen
- Vergangene Ereignisse
- Die Zukunft
- Deine äußeren Umstände (Gesundheit, Wirtschaft, Gesellschaft)
- Die Meinungen anderer über dich
- Ergebnisse deiner Handlungen (nur der Prozess liegt bei dir)
Die Revolution liegt darin: Sobald du aufhörst, Energie in unkontrollierbare Dinge zu stecken, gewinnst du unglaublich viel Kraft für das, was wirklich in deiner Hand liegt.
Praktische Übung 1: Die Kontroll-Inventur
Nimm dir 10 Minuten Zeit und ein Blatt Papier:
- Schreibe auf, was dich gerade belastet oder stresst
- Markiere mit zwei Farben: Grün für „liegt in meiner Kontrolle", Rot für „liegt außerhalb meiner Kontrolle"
- Bei den grünen Punkten: Welche konkrete Handlung kannst du HEUTE unternehmen?
- Bei den roten Punkten: Formuliere einen Akzeptanz-Satz, z.B. „Ich kann nicht kontrollieren, ob mein Chef mich schätzt, aber ich kann kontrollieren, wie gut ich meine Arbeit mache"
Diese Übung führe ich regelmäßig mit Patienten in meiner Praxis durch. Die Erleichterung, wenn Menschen erkennen, wie viel Ballast sie tragen, den sie gar nicht tragen müssen, ist jedes Mal bewegend.
Die Macht der Perspektive: Ereignisse sind neutral
Epiktet hatte eine radikale Überzeugung: Die Dinge selbst beunruhigen uns nicht, sondern unsere Meinungen über die Dinge.
Ein Beispiel aus dem modernen Alltag:
- Du wirst zu einem Projekt nicht eingeladen
- Perspektive A: „Sie respektieren mich nicht. Ich bin nichts wert. Meine Karriere ist vorbei."
- Perspektive B: „Interessant. Vielleicht bin ich für ein anderes Projekt besser geeignet. Oder ich habe nun Zeit für etwas anderes."
Das Ereignis ist identisch. Dein Leiden oder Nicht-Leiden entsteht durch die Bewertung.
Das bedeutet NICHT, dass du alles schönreden sollst. Es bedeutet, dass du dir bewusst machst: Du hast eine Wahl. Dar8n liegt deine Freiheit.
Stoizismus ist keine emotionale Abstumpfung
Ein häufiges Missverständnis: Stoiker seien gefühlskalt. Das Gegenteil ist wahr.
Epiktet lehrte nicht, Emotionen zu unterdrücken, sondern sie zu verstehen und mit ihnen weise umzugehen. Die Stoiker unterschieden zwischen:
Destruktiven Leidenschaften:
- Unkontrollierte Wut
- Exzessive Angst
- Gier und Sucht
- Neid und Eifersucht
Gesunden Emotionen:
- Freude über echte Werte
- Vorsicht (statt panischer Angst)
- Wunsch (statt besitzergreifender Gier)
Der Unterschied? Gesunde Emotionen entspringen deinen bewussten Werten und helfen dir zu wachsen. Destruktive Leidenschaften kontrollieren dich und lassen dich leiden.
Praktische Übung 2: Das abendliche Reflexionsritual
Epiktet empfahl, jeden Tag zu reflektieren. Nimm dir abends 5-10 Minuten:
- Was habe ich heute gut gemacht? (Fokus auf dein Verhalten, nicht Ergebnisse)
- Wo habe ich gegen meine Werte gehandelt? (Ohne Selbstverurteilung – nur Beobachtung)
- Was hätte ich besser machen können?
- Wofür bin ich dankbar? (Auch für Herausforderungen, die dich wachsen ließen)
Diese Praxis ist keine nette Beilage – sie ist das Krafttraining für deine innere Stärke. Wie beim Sport: Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
Amor Fati: Liebe dein Schicksal
Eine der kraftvollsten stoischen Ideen: Amor Fati – die Liebe zum Schicksal.
Das bedeutet nicht, passiv alles zu akzeptieren. Es bedeutet, das Unvermeidbare nicht nur zu ertragen, sondern es zu umarmen, weil es dein Leben IST.
Stell dir vor:
- Du verlierst deinen Job → „Das ist schrecklich UND eine Chance, mich neu zu orientieren"
- Du wirst krank → „Das ist hart UND zeigt mir, was wirklich zählt"
- Eine Beziehung endet → „Es schmerzt UND öffnet neue Türen"
Nicht entweder-oder. Sowohl-als-auch.
Diese Haltung ist keine Verleugnung des Schmerzes. Sie ist die Weigerung, dem Schmerz zu erlauben, deine ganze Existenz zu definieren.
Memento Mori: Die Kunst, bewusst zu leben
Die Stoiker meditierten regelmäßig über den Tod – nicht aus Morbidität, sondern als Weckruf zum Leben.
„Du könntest heute sterben" ist keine deprimierende Drohung, sondern eine befreiende Wahrheit. Sie zwingt dich zu fragen:
- Ist dieser Streit wirklich wichtig?
- Will ich so weiterleben?
- Sage ich den Menschen, die mir wichtig sind, dass ich sie liebe?
Praktische Übung 3: Der Morgen-Check-In
Beginne deinen Tag mit dieser 2-Minuten-Meditation:
- Setz dich ruhig hin, schließe die Augen
- Erinnere dich: „Dieser Tag ist ein Geschenk, nicht garantiert"
- Frage dich: „Wenn heute mein letzter Tag wäre – wie würde ich ihn leben wollen?"
- Setze EINE Intention für den Tag, die deinen Werten entspricht
- Öffne die Augen und beginne
Diese Übung verändert die Qualität deines Tages fundamental. Nicht dramatisch, sondern subtil – aber nachhaltig.
Die stoische Rolle: Spiele dein Spiel gut
Epiktet nutzte die Metapher des Schauspielers: Dir wurde eine Rolle im Leben zugeteilt – ob reich oder arm, gesund oder krank, erfolgreich oder kämpfend. Du kannst die Rolle nicht wählen. Aber du kannst wählen, wie du sie spielst.
Das ist radikal: Deine Würde hängt nicht von deinen Umständen ab, sondern davon, wie du dich in ihnen verhältst.
Konkret bedeutet das:
- Als Mutter/Vater: Liebe, Geduld, Präsenz
- Als Partner/in: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Wachstum
- Als Angestellte/r: Integrität, Exzellenz im Rahmen deiner Möglichkeiten
- Als Mensch in der Krise: Würde, Mut, Resilienz
Nicht das, was dir passiert, definiert dich. Sondern wie du damit umgehst.
Stoizismus und ganzheitliche Medizin: Eine natürliche Verbindung
In einer ganzheitlichen Praxis lassen sich philosophische Ansätze mit körperlichen und energetischen Behandlungen gut kombinieren. Warum? Weil echter Heilungsprozess alle Ebenen umfasst.
Die stoische Philosophie bietet:
- Mentale Klarheit in chaotischen Zeiten
- Emotionale Resilienz durch bewusste Selbstführung
- Somatische Entspannung durch Loslassen unkontrollierbarer Sorgen
- Sinn und Orientierung wenn alles wankt
Kombiniert mit ganzheitlichen Behandlungsansätzen entsteht ein kraftvolles Werkzeug für tiefgreifende Transformation.
Dein stoischer Alltag: Klein anfangen
Du musst nicht dein ganzes Leben umkrempeln. Beginne mit kleinen, konkreten Schritten.
Hier eine Buchempfehlung. Ein Tagebuch mit täglichen philosophischen Fragen an dich:

Stoizismus ist keine Theorie – es ist Training.
Wenn die Krise zu groß wird
Stoische Philosophie ist kraftvoll, aber kein Ersatz für professionelle Hilfe. Wenn du merkst, dass du:
- Anhaltend depressive oder suizidale Gedanken hast
- Deine Alltagsbewältigung zusammenbricht
- Traumatische Erlebnisse nicht verarbeiten kannst
Dann such dir Unterstützung. Stärke zeigt sich auch darin, um Hilfe zu bitten.
Epiktet lebte vor 2000 Jahren, aber seine Fragen sind zeitlos:
- Was liegt wirklich in deiner Macht?
- Wie willst du deine Rolle spielen?
- Was hindert dich daran, frei zu sein?
Die stoische Philosophie bietet keine schnellenLösungen. Sie bietet etwas Wertvolleres: einen Weg zu echter innerer Freiheit, unabhängig von äußeren Umständen.
In den kommenden Beiträgen dieser Serie werden wir weitere stoische Philosophen kennenlernen – Marc Aurel, Seneca – und vertiefen, wie du diese antike Weisheit praktisch in deinen modernen Alltag integrierst.
Tod und Trauer: Ein Wegweiser durch die dunkelsten Momente
22/11/25 19:26 Filed in: Seele
Tod und Trauer: Ein Wegweiser durch die dunkelsten Momente

Der Tod gehört zum Leben – und doch fühlt er sich jedes Mal unfassbar an. Wenn du einen geliebten Menschen verlierst, bricht eine Welt zusammen. Die Trauer, die dann kommt, ist keine Krankheit, die du heilen musst. Sie ist die natürliche Antwort deiner Seele auf einen unwiederbringlichen Verlust.
In diesem Beitrag möchte ich dir Perspektiven und praktische Hilfen an die Hand geben, die dir durch diese schwere Zeit helfen können – von philosophischen Ansätzen über religiöse Trostquellen bis hin zu ganz konkreten Alltagstipps.
Was Trauer mit dir macht: Die Phasen verstehen
Trauer verläuft nicht linear. Du durchlebst keine ordentliche Checkliste von Emotionen. Stattdessen erlebst du vielleicht:
Schock und Verleugnung – In den ersten Stunden und Tagen kann sich alles unwirklich anfühlen. Dein Gehirn schützt dich vor der vollen Wucht der Realität.
Intensive Gefühle – Wut, Schuldgefühle, tiefe Traurigkeit, manchmal sogar Erleichterung. All das ist normal. Trauer kommt in Wellen, manchmal überflutet sie dich, dann zieht sie sich zurück.
Die Neuordnung – Mit der Zeit lernst du, mit der Abwesenheit zu leben. Das bedeutet nicht, dass du vergisst oder weniger liebst. Du findest neue Wege, die Erinnerung zu tragen.
Praktische Tipps für den Umgang mit Trauer
In den ersten Tagen
Erlaube dir, überwältigt zu sein. Du musst jetzt nicht stark sein. Nimm Hilfe an, wenn andere sie anbieten – sei es beim Organisieren der Beerdigung, beim Kochen oder einfach nur als stille Begleitung.
Sorge für die Grundbedürfnisse: Essen, Trinken, ein Minimum an Schlaf. Trauer ist körperlich anstrengend. Dein Körper braucht Kraft.
In den Wochen und Monaten danach
Rituale schaffen: Zünde eine Kerze an, besuche das Grab, schreibe Briefe an die verstorbene Person. Rituale geben deiner Trauer einen Raum.
Gefühle zulassen: Weine, wenn dir danach ist. Schreie, wenn du wütend bist. Unterdrückte Trauer findet andere, oft destruktivere Wege.
Grenzen setzen: Nicht jeder Ratschlag ist hilfreich. Du darfst Menschen freundlich sagen, dass du gerade etwas anderes brauchst.
Sich nicht vergleichen:Jeder trauert anders. Dein Weg ist richtig, auch wenn er anders aussieht als der deines Partners oder deiner Geschwister.
Professionelle Hilfe suchen: Wenn die Trauer dich über Monate hinweg handlungsunfähig macht, du an Selbstmord denkst oder zu Alkohol oder Medikamenten greifst – sprich mit einem Therapeuten oder einer Trauerbegleiterin.
Die stoische Perspektive: Akzeptanz und innere Stärke
Die antiken Stoiker wie Marc Aurel und Seneca hatten eine nüchterne, aber tröstliche Sicht auf den Tod. Ihre Weisheit kann dir heute noch helfen:
Memento Mori – Bedenke, dass du sterblich bist. Die Stoiker erinnerten sich täglich an die Vergänglichkeit. Das klingt düster, hat aber einen befreienden Effekt: Wenn du akzeptierst, dass alles endet, kannst du den gegenwärtigen Moment intensiver wertschätzen.
Unterscheide, was in deiner Macht liegt. Du kannst den Tod nicht verhindern oder rückgängig machen. Das liegt außerhalb deiner Kontrolle. Aber du kannst wählen, wie du darauf reagierst. Du kannst entscheiden, die Erinnerung zu ehren, dich von Liebe statt Bitterkeit leiten zu lassen.
Der Tod als natürlicher Prozess. Für die Stoiker war der Tod Teil der Natur, so natürlich wie das Fallen der Blätter im Herbst. Diese Perspektive nimmt dem Tod nicht seinen Schmerz, aber sie kann dir helfen, ihn als Teil des großen Ganzen zu begreifen, nicht als ungerechtes Schicksal.
Trauer als Ausdruck von Liebe. Seneca schrieb, dass wir nicht trauern sollen wie jene, die keine Hoffnung haben, aber auch nicht so tun sollen, als wären wir gefühllos. Trauer zeigt, dass du geliebt hast. Das ist wertvoll.
Trost im christlichen Glauben

Wenn du christlich glaubst, kann dein Glaube eine tiefe Quelle des Trostes sein:
Die Hoffnung auf Auferstehung: Das Herzstück des christlichen Glaubens ist die Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende ist. Jesus Christus ist auferstanden, und diese Auferstehung verspricht auch dir und deinen Lieben ein Leben nach dem Tod. Der Apostel Paulus schreibt: “Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Stachel?”
Gott in der Trauer: Du darfst wütend auf Gott sein, du darfst fragen “Warum?”. Die Psalmen sind voll von solchen Klagen. Gott ist groß genug für deine Zweifel und deine Wut. Gleichzeitig verspricht die Bibel: “Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.”
Die Gemeinschaft: Die christliche Gemeinde kann dich tragen, wenn du selbst nicht stehen kannst. Lass andere für dich beten, mit dir weinen, für dich da sein.
Das Geschenk der Zeit: Aus christlicher Sicht war die gemeinsame Zeit ein Geschenk Gottes. Dankbarkeit für das, was war, kann neben der Trauer um das, was nicht mehr ist, bestehen.
Weisheit aus dem Buddhismus
Die buddhistische Lehre bietet einen anderen, aber ebenfalls hilfreichen Zugang zur Trauer:
Die Vergänglichkeit: Alles ist im Fluss, nichts bleibt. Der Buddha lehrte, dass Leiden entsteht, wenn wir gegen diese fundamentale Wahrheit ankämpfen. Akzeptanz bedeutet hier nicht Gleichgültigkeit, sondern das Loslassen des verzweifelten Festhaltens an dem, was nicht mehr ist.
Mitgefühl mit dir selbst: Der Buddhismus betont liebevolle Güte, auch dir selbst gegenüber. Sei sanft mit dir in deiner Trauer. Behandle dich, wie du einen guten Freund behandeln würdest.
Achtsamkeit im Schmerz: Statt vor dem Schmerz zu fliehen, kannst du lernen, ihn achtsam zu betrachten. Wo spürst du die Trauer in deinem Körper? Wie fühlt sie sich an? Diese Praxis nimmt dem Schmerz nicht seine Intensität, aber sie kann verhindern, dass du dich vollständig in ihm verlierst.
Der Kreislauf von Leben und Tod: In der buddhistischen Vorstellung ist der Tod ein Übergang, kein Ende. Die Energie, die deine geliebte Person ausgemacht hat, geht in andere Formen über. Das mag abstrakt klingen, aber für viele Menschen liegt darin Trost.
Das Weiterleben in der Erinnerung: Solange du dich erinnerst, solange du die Lehren und die Liebe der verstorbenen Person in dir trägst, lebt etwas von ihr weiter.
Wenn die Trauer bleibt: Langfristig leben mit dem Verlust
Mit der Zeit wird die Trauer nicht unbedingt kleiner – aber du wächst um sie herum. Das Leben kehrt zurück, vorsichtig, in neuen Formen.
Du darfst wieder lachen, ohne dass es Verrat bedeutet. Du darfst Pläne schmieden, neue Beziehungen eingehen, Freude empfinden. Die verstorbene Person würde das wollen.
Manche Tage werden immer schwer bleiben: Geburtstage, Todestage, besondere Feste. Plane für diese Tage vor, sei besonders sanft mit dir selbst.
Abschließende Gedanken
Tod und Trauer gehören zu den universellsten menschlichen Erfahrungen. Alle großen Traditionen – ob philosophisch oder religiös – haben Weisheiten entwickelt, die uns helfen können.
Nimm dir, was dir hilft. Vielleicht tröstet dich die stoische Akzeptanz, vielleicht die christliche Auferstehungshoffnung, vielleicht die buddhistische Achtsamkeit. Oder vielleicht eine ganz eigene Mischung.
Das Wichtigste ist: Du bist nicht allein. Millionen Menschen haben vor dir getrauert und werden nach dir trauern. Die Liebe, die du empfindest und die deinen Schmerz so groß macht, verbindet dich mit allem Lebendigen.
Sei geduldig mit dir. Trauer braucht Zeit. Aber sie verwandelt sich. Und du wirst lernen, mit der Narbe zu leben, die sie hinterlässt.
Wenn du professionelle Unterstützung brauchst, wende dich an Trauerbegleiter, Seelsorger oder Therapeuten in deiner Nähe. Telefonseelsorge erreichst du in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Der Tod gehört zum Leben – und doch fühlt er sich jedes Mal unfassbar an. Wenn du einen geliebten Menschen verlierst, bricht eine Welt zusammen. Die Trauer, die dann kommt, ist keine Krankheit, die du heilen musst. Sie ist die natürliche Antwort deiner Seele auf einen unwiederbringlichen Verlust.
In diesem Beitrag möchte ich dir Perspektiven und praktische Hilfen an die Hand geben, die dir durch diese schwere Zeit helfen können – von philosophischen Ansätzen über religiöse Trostquellen bis hin zu ganz konkreten Alltagstipps.
Was Trauer mit dir macht: Die Phasen verstehen
Trauer verläuft nicht linear. Du durchlebst keine ordentliche Checkliste von Emotionen. Stattdessen erlebst du vielleicht:
Schock und Verleugnung – In den ersten Stunden und Tagen kann sich alles unwirklich anfühlen. Dein Gehirn schützt dich vor der vollen Wucht der Realität.
Intensive Gefühle – Wut, Schuldgefühle, tiefe Traurigkeit, manchmal sogar Erleichterung. All das ist normal. Trauer kommt in Wellen, manchmal überflutet sie dich, dann zieht sie sich zurück.
Die Neuordnung – Mit der Zeit lernst du, mit der Abwesenheit zu leben. Das bedeutet nicht, dass du vergisst oder weniger liebst. Du findest neue Wege, die Erinnerung zu tragen.
Praktische Tipps für den Umgang mit Trauer
In den ersten Tagen
Erlaube dir, überwältigt zu sein. Du musst jetzt nicht stark sein. Nimm Hilfe an, wenn andere sie anbieten – sei es beim Organisieren der Beerdigung, beim Kochen oder einfach nur als stille Begleitung.
Sorge für die Grundbedürfnisse: Essen, Trinken, ein Minimum an Schlaf. Trauer ist körperlich anstrengend. Dein Körper braucht Kraft.
In den Wochen und Monaten danach
Rituale schaffen: Zünde eine Kerze an, besuche das Grab, schreibe Briefe an die verstorbene Person. Rituale geben deiner Trauer einen Raum.
Gefühle zulassen: Weine, wenn dir danach ist. Schreie, wenn du wütend bist. Unterdrückte Trauer findet andere, oft destruktivere Wege.
Grenzen setzen: Nicht jeder Ratschlag ist hilfreich. Du darfst Menschen freundlich sagen, dass du gerade etwas anderes brauchst.
Sich nicht vergleichen:Jeder trauert anders. Dein Weg ist richtig, auch wenn er anders aussieht als der deines Partners oder deiner Geschwister.
Professionelle Hilfe suchen: Wenn die Trauer dich über Monate hinweg handlungsunfähig macht, du an Selbstmord denkst oder zu Alkohol oder Medikamenten greifst – sprich mit einem Therapeuten oder einer Trauerbegleiterin.
Die stoische Perspektive: Akzeptanz und innere Stärke
Die antiken Stoiker wie Marc Aurel und Seneca hatten eine nüchterne, aber tröstliche Sicht auf den Tod. Ihre Weisheit kann dir heute noch helfen:
Memento Mori – Bedenke, dass du sterblich bist. Die Stoiker erinnerten sich täglich an die Vergänglichkeit. Das klingt düster, hat aber einen befreienden Effekt: Wenn du akzeptierst, dass alles endet, kannst du den gegenwärtigen Moment intensiver wertschätzen.
Unterscheide, was in deiner Macht liegt. Du kannst den Tod nicht verhindern oder rückgängig machen. Das liegt außerhalb deiner Kontrolle. Aber du kannst wählen, wie du darauf reagierst. Du kannst entscheiden, die Erinnerung zu ehren, dich von Liebe statt Bitterkeit leiten zu lassen.
Der Tod als natürlicher Prozess. Für die Stoiker war der Tod Teil der Natur, so natürlich wie das Fallen der Blätter im Herbst. Diese Perspektive nimmt dem Tod nicht seinen Schmerz, aber sie kann dir helfen, ihn als Teil des großen Ganzen zu begreifen, nicht als ungerechtes Schicksal.
Trauer als Ausdruck von Liebe. Seneca schrieb, dass wir nicht trauern sollen wie jene, die keine Hoffnung haben, aber auch nicht so tun sollen, als wären wir gefühllos. Trauer zeigt, dass du geliebt hast. Das ist wertvoll.
Trost im christlichen Glauben

Wenn du christlich glaubst, kann dein Glaube eine tiefe Quelle des Trostes sein:
Die Hoffnung auf Auferstehung: Das Herzstück des christlichen Glaubens ist die Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende ist. Jesus Christus ist auferstanden, und diese Auferstehung verspricht auch dir und deinen Lieben ein Leben nach dem Tod. Der Apostel Paulus schreibt: “Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Stachel?”
Gott in der Trauer: Du darfst wütend auf Gott sein, du darfst fragen “Warum?”. Die Psalmen sind voll von solchen Klagen. Gott ist groß genug für deine Zweifel und deine Wut. Gleichzeitig verspricht die Bibel: “Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.”
Die Gemeinschaft: Die christliche Gemeinde kann dich tragen, wenn du selbst nicht stehen kannst. Lass andere für dich beten, mit dir weinen, für dich da sein.
Das Geschenk der Zeit: Aus christlicher Sicht war die gemeinsame Zeit ein Geschenk Gottes. Dankbarkeit für das, was war, kann neben der Trauer um das, was nicht mehr ist, bestehen.
Weisheit aus dem Buddhismus
Die buddhistische Lehre bietet einen anderen, aber ebenfalls hilfreichen Zugang zur Trauer:
Die Vergänglichkeit: Alles ist im Fluss, nichts bleibt. Der Buddha lehrte, dass Leiden entsteht, wenn wir gegen diese fundamentale Wahrheit ankämpfen. Akzeptanz bedeutet hier nicht Gleichgültigkeit, sondern das Loslassen des verzweifelten Festhaltens an dem, was nicht mehr ist.
Mitgefühl mit dir selbst: Der Buddhismus betont liebevolle Güte, auch dir selbst gegenüber. Sei sanft mit dir in deiner Trauer. Behandle dich, wie du einen guten Freund behandeln würdest.
Achtsamkeit im Schmerz: Statt vor dem Schmerz zu fliehen, kannst du lernen, ihn achtsam zu betrachten. Wo spürst du die Trauer in deinem Körper? Wie fühlt sie sich an? Diese Praxis nimmt dem Schmerz nicht seine Intensität, aber sie kann verhindern, dass du dich vollständig in ihm verlierst.
Der Kreislauf von Leben und Tod: In der buddhistischen Vorstellung ist der Tod ein Übergang, kein Ende. Die Energie, die deine geliebte Person ausgemacht hat, geht in andere Formen über. Das mag abstrakt klingen, aber für viele Menschen liegt darin Trost.
Das Weiterleben in der Erinnerung: Solange du dich erinnerst, solange du die Lehren und die Liebe der verstorbenen Person in dir trägst, lebt etwas von ihr weiter.
Wenn die Trauer bleibt: Langfristig leben mit dem Verlust
Mit der Zeit wird die Trauer nicht unbedingt kleiner – aber du wächst um sie herum. Das Leben kehrt zurück, vorsichtig, in neuen Formen.
Du darfst wieder lachen, ohne dass es Verrat bedeutet. Du darfst Pläne schmieden, neue Beziehungen eingehen, Freude empfinden. Die verstorbene Person würde das wollen.
Manche Tage werden immer schwer bleiben: Geburtstage, Todestage, besondere Feste. Plane für diese Tage vor, sei besonders sanft mit dir selbst.
Abschließende Gedanken
Tod und Trauer gehören zu den universellsten menschlichen Erfahrungen. Alle großen Traditionen – ob philosophisch oder religiös – haben Weisheiten entwickelt, die uns helfen können.
Nimm dir, was dir hilft. Vielleicht tröstet dich die stoische Akzeptanz, vielleicht die christliche Auferstehungshoffnung, vielleicht die buddhistische Achtsamkeit. Oder vielleicht eine ganz eigene Mischung.
Das Wichtigste ist: Du bist nicht allein. Millionen Menschen haben vor dir getrauert und werden nach dir trauern. Die Liebe, die du empfindest und die deinen Schmerz so groß macht, verbindet dich mit allem Lebendigen.
Sei geduldig mit dir. Trauer braucht Zeit. Aber sie verwandelt sich. Und du wirst lernen, mit der Narbe zu leben, die sie hinterlässt.
Wenn du professionelle Unterstützung brauchst, wende dich an Trauerbegleiter, Seelsorger oder Therapeuten in deiner Nähe. Telefonseelsorge erreichst du in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Heilsames Berühren. Heilbehandlungen
Heilsames Berühren: Was geschieht, wenn Hände aufgelegt werden

Eine Einführung in die Heilarbeit nach Harry Edwards, Tom Johanson und der NFSH-Tradition
Wenn Du zum ersten Mal von „geistigem Heilen" oder „Handauflegen" hörst, mögen Bilder von Wunderheilungen und dramatischen Momenten vor deinem inneren Auge entstehen. Vielleicht denkst Du an Menschen, die ihre Krücken wegwerfen oder von unheilbaren Krankheiten befreit werden. Doch die Realität der geistigen Heilbehandlung ist eine ganz andere – und in ihrer Tiefe weitaus faszinierender.
Dieses Wochenende hatte ich wieder einen schönen und berührenden Kurs mit unserer Heilerzirkel-Gruppe hier in Lörrach/Weil am Rhein, die in der Tradition von Harry Edwards und Tom Johanson Heilsames Berühren praktiziert. Aus diesem Anlass ist dieser Text entstanden.
Was geistige Heilbehandlung NICHT ist
Lasse uns gleich zu Beginn mit dem größten Missverständnis aufräumen: Geistige Heilbehandlung, oder Heilsames Berühren ist keine Wunderheilung. Sie verspricht keine sofortige Genesung von schweren Erkrankungen, ersetzt keine medizinische Behandlung und ist kein magischer Akt, der die Gesetze der Natur außer Kraft setzt.
Tom Johanson, einer der angesehensten Geistheiler Englands und langjähriger Leiter der Spiritualist Association of Great Britain (SAGB), betonte Zeit seines Lebens: Geistiges Heilen arbeitet mit den natürlichen Selbstheilungskräften des Körpers, nicht gegen sie oder jenseits von ihnen.
Die Grundlagen: Was geschieht bei einer Heilbehandlung?
Der Heiler als Kanal
In der Tradition von Harry Edwards, dem Pionier des modernen geistigen Heilens in England, und der National Federation of Spiritual Healers / NFSH (heute: "The Healing Trust") versteht sich der Heiler nicht als jemand, der aus eigener Kraft heilt. Vielmehr ist er ein Kanal für Heilenergie – eine universelle Lebenskraft, die manche als göttliche Energie, kosmische Energie oder einfach als Heilkraft bezeichnen. So wie auch bei Reiki und anderen Techniken.
Diese Vorstellung mag zunächst abstrakt klingen, doch sie hat praktische Konsequenzen: Der Heiler erschöpft sich nicht durch seine Arbeit, denn er gibt nicht seine eigene Energie. Er öffnet sich, lässt Energie durch sich hindurchfließen und lenkt sie dorthin, wo sie gebraucht wird. Wie ein Fluss, der Wasser von der Quelle zum Meer leitet, ohne selbst weniger zu werden.
Die energetische Dimension
Was ist diese „Energie", von der wir sprechen? In verschiedenen Kulturen trägt sie verschiedene Namen: Chi, Prana, Lebenskraft. Die moderne Quantenphysik nähert sich langsam dem Verständnis an, dass alles – unser Körper, unsere Gedanken, unsere Emotionen – aus Energie besteht, die in unterschiedlichen Schwingungen vibriert.
Bei der Heilbehandlung wird davon ausgegangen, dass Blockaden, Disharmonien oder Störungen im Energiefluss des Körpers zu Beschwerden führen können. Der Heiler nimmt diese Störungen wahr – manchmal als Kälte, Hitze, Kribbeln oder einfach als intuitives Wissen – und hilft, den natürlichen Energiefluss wiederherzustellen.
Die ganzheitliche Wirkung: Körper-Geist-Seele
Psychosomatische Zusammenhänge verstehen
Tom Johanson widmete einen Großteil seiner Arbeit dem Verständnis psychosomatischer Leiden. Sein Buch „Zuerst heile den Geist" trägt den Kern seiner Philosophie bereits im Titel: Viele körperliche Beschwerden haben ihre Wurzeln in unserem Geist, in unverarbeiteten Emotionen, in Stress, Trauma oder inneren Konflikten.
Dies ist keine esoterische Spekulation, sondern medizinisch anerkannt. Wir wissen heute, dass chronischer Stress das Immunsystem schwächt, dass unterdrückte Emotionen sich in Verspannungen manifestieren können, dass Angst sich auf die Verdauung auswirkt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Geistige Heilbehandlung wirkt auf allen drei Ebenen gleichzeitig:
Auf körperlicher Ebene:
Auf geistiger/emotionaler Ebene:
Auf seelischer Ebene:
Die Rolle der Selbstheilungskräfte
Hier liegt das eigentliche Geheimnis der Heilbehandlung: Der Empfänger heilt sich selbst. Die Heilenergie aktiviert, unterstützt und verstärkt die bereits vorhandenen Selbstheilungskräfte des Körpers.
Unser Körper verfügt über erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Jeden Tag bekämpft unser Immunsystem unzählige Krankheitserreger. Wunden heilen. Knochen wachsen zusammen. Zellen erneuern sich. Doch manchmal sind diese Prozesse blockiert – durch Stress, Erschöpfung, emotionale Belastungen oder tiefsitzende Muster.
Die Heilbehandlung schafft einen Raum, in dem sich diese Blockaden lösen können. Sie gibt dem Körper die Botschaft: „Du darfst loslassen. Du darfst dich entspannen. Du darfst heilen."

Was kannst du erwarten?
Während der Behandlung
Die meisten Menschen erleben während einer Heilbehandlung tiefe Entspannung. Manche spüren Wärme oder ein sanftes Kribbeln unter den Händen des Heilers. Andere nehmen Farben, innere Bilder oder Emotionen wahr. Wieder andere schlafen einfach ein – ein Zeichen dafür, dass Körper und Geist endlich zur Ruhe kommen dürfen.
Es gibt kein „richtig" oder „falsch" bei den Empfindungen. Jeder Mensch erlebt die Behandlung auf seine eigene Weise, abhängig von seiner aktuellen Verfassung, seiner Sensibilität und dem, was gerade gebraucht wird.
Nach der Behandlung
Die Wirkungen entfalten sich oft über Tage und Wochen:
Heilbehandlung und Schulmedizin
Harry Edwards arbeitete Zeit seines Lebens mit Ärzten zusammen und setzte sich für die Anerkennung des geistigen Heilens als Ergänzung zur Schulmedizin ein. Tom Johanson folgte diesem Weg und wurde gerade deshalb respektiert, weil er nie Heilversprechen machte oder Menschen von ärztlicher Behandlung abhielt.
Die moderne Sichtweise versteht geistige Heilbehandlung als komplementäre Unterstützung:
Niemals sollte sie ärztliche Diagnose und Behandlung ersetzen, insbesondere nicht bei akuten oder lebensbedrohlichen Zuständen.
Exkurs:
Die Freiburger Fernheilungs-Studie (Ende 1990er Jahre)
Beteiligte Wissenschaftler:
Studiendesign:
Messmethoden:
Ergebnisse:
Wichtige Anmerkung von Dr. Walach: "Wichtig ist zu wissen, ob diese Form der Behandlung bei den Patienten, die sich dafür interessieren, etwas bewirkt. Dies tut sie ohne Zweifel."
Die Dokumentation erschien 1999 unter dem Titel „Heilen ohne Grenzen – ‚Fernbehandeln' auf dem Prüfstand".
Die Philosophie dahinter: Leben als Entwicklungsprozess
Tom Johanson verstand, ähnlich wie buddhistische Lehren, das Leben als einen Prozess der inneren Entwicklung. Krankheit ist in dieser Sichtweise nicht ein Makel, den es zu beseitigen gilt, sondern kann sie kann eine Botschaft sein, ein Hinweis auf Ungleichgewichte oder Entwicklungsaufgaben.
Das bedeutet nicht, dass Menschen „schuld" an ihrer Krankheit sind oder dass sie „daran arbeiten" müssen. Es bedeutet vielmehr, dass Heilung oft mehr ist als die Beseitigung von Symptomen. Wahre Heilung kann eine Transformation beinhalten – eine Veränderung in der Art, wie wir leben, denken, fühlen und mit uns selbst umgehen.
Praktische Hinweise
Für wen ist Heilbehandlung geeignet?
Grundsätzlich für jeden. Besonders hilfreich kann sie sein bei:
Was du mitbringen solltest
Abschließende Gedanken
Geistige Heilbehandlung im Sinne von Harry Edwards, Tom Johanson und der NFSH-Tradition ist eine sanfte, respektvolle Form der Unterstützung auf dem Heilungsweg. Sie ersetzt nichts, aber sie kann vieles ergänzen und vertiefen.
Ihr größtes Geschenk ist vielleicht nicht die Linderung einzelner Symptome, sondern die Erinnerung daran, dass wir mehr sind als unser Körper, mehr als unsere Diagnose, mehr als unsere Probleme. Sie lädt uns ein, wieder Kontakt aufzunehmen mit jener Kraft in uns, die heilen will – die heilen kann –, wenn wir ihr nur Raum geben.
In einer Zeit, in der wir oft gehetzt, getrennt und überfordert sind, bietet die Heilbehandlung einen heiligen Raum: einen Moment des Innehaltens, des Vertrauens, des Sich-getragen-Fühlens. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zur Heilung.
Ich danke euch- den Teilnehmern des Kurses, und den beiden Kursleiter- für wertvolle Erfahrungen, euer wertschätzendes Präsentsein, eure Empathie und für das harmonische Miteinander. Eine Gruppe, in der man sich geborgen fühlen darf. 🙏
Bei Interesse:
1982 wurde hier in Deutschland die "Gemeinschaft für geistige Entfaltung e.V." (heute: "Gemeinsam entfalten") gegründet, um diese Lehre weiterzuvermitteln. Sie bietet Kurse, vermittelt Praktizierende und ist eine Plattform für Austausch.
Dieser Artikel basiert auf der Tradition des geistigen Heilens nach Harry Edwards und Tom Johanson sowie den Prinzipien der National Federation of Spiritual Healers (NFSH). Er dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Eine Einführung in die Heilarbeit nach Harry Edwards, Tom Johanson und der NFSH-Tradition
Wenn Du zum ersten Mal von „geistigem Heilen" oder „Handauflegen" hörst, mögen Bilder von Wunderheilungen und dramatischen Momenten vor deinem inneren Auge entstehen. Vielleicht denkst Du an Menschen, die ihre Krücken wegwerfen oder von unheilbaren Krankheiten befreit werden. Doch die Realität der geistigen Heilbehandlung ist eine ganz andere – und in ihrer Tiefe weitaus faszinierender.
Dieses Wochenende hatte ich wieder einen schönen und berührenden Kurs mit unserer Heilerzirkel-Gruppe hier in Lörrach/Weil am Rhein, die in der Tradition von Harry Edwards und Tom Johanson Heilsames Berühren praktiziert. Aus diesem Anlass ist dieser Text entstanden.
Was geistige Heilbehandlung NICHT ist
Lasse uns gleich zu Beginn mit dem größten Missverständnis aufräumen: Geistige Heilbehandlung, oder Heilsames Berühren ist keine Wunderheilung. Sie verspricht keine sofortige Genesung von schweren Erkrankungen, ersetzt keine medizinische Behandlung und ist kein magischer Akt, der die Gesetze der Natur außer Kraft setzt.
Tom Johanson, einer der angesehensten Geistheiler Englands und langjähriger Leiter der Spiritualist Association of Great Britain (SAGB), betonte Zeit seines Lebens: Geistiges Heilen arbeitet mit den natürlichen Selbstheilungskräften des Körpers, nicht gegen sie oder jenseits von ihnen.
Die Grundlagen: Was geschieht bei einer Heilbehandlung?
Der Heiler als Kanal
In der Tradition von Harry Edwards, dem Pionier des modernen geistigen Heilens in England, und der National Federation of Spiritual Healers / NFSH (heute: "The Healing Trust") versteht sich der Heiler nicht als jemand, der aus eigener Kraft heilt. Vielmehr ist er ein Kanal für Heilenergie – eine universelle Lebenskraft, die manche als göttliche Energie, kosmische Energie oder einfach als Heilkraft bezeichnen. So wie auch bei Reiki und anderen Techniken.
Diese Vorstellung mag zunächst abstrakt klingen, doch sie hat praktische Konsequenzen: Der Heiler erschöpft sich nicht durch seine Arbeit, denn er gibt nicht seine eigene Energie. Er öffnet sich, lässt Energie durch sich hindurchfließen und lenkt sie dorthin, wo sie gebraucht wird. Wie ein Fluss, der Wasser von der Quelle zum Meer leitet, ohne selbst weniger zu werden.
Die energetische Dimension
Was ist diese „Energie", von der wir sprechen? In verschiedenen Kulturen trägt sie verschiedene Namen: Chi, Prana, Lebenskraft. Die moderne Quantenphysik nähert sich langsam dem Verständnis an, dass alles – unser Körper, unsere Gedanken, unsere Emotionen – aus Energie besteht, die in unterschiedlichen Schwingungen vibriert.
Bei der Heilbehandlung wird davon ausgegangen, dass Blockaden, Disharmonien oder Störungen im Energiefluss des Körpers zu Beschwerden führen können. Der Heiler nimmt diese Störungen wahr – manchmal als Kälte, Hitze, Kribbeln oder einfach als intuitives Wissen – und hilft, den natürlichen Energiefluss wiederherzustellen.
Die ganzheitliche Wirkung: Körper-Geist-Seele
Psychosomatische Zusammenhänge verstehen
Tom Johanson widmete einen Großteil seiner Arbeit dem Verständnis psychosomatischer Leiden. Sein Buch „Zuerst heile den Geist" trägt den Kern seiner Philosophie bereits im Titel: Viele körperliche Beschwerden haben ihre Wurzeln in unserem Geist, in unverarbeiteten Emotionen, in Stress, Trauma oder inneren Konflikten.
Dies ist keine esoterische Spekulation, sondern medizinisch anerkannt. Wir wissen heute, dass chronischer Stress das Immunsystem schwächt, dass unterdrückte Emotionen sich in Verspannungen manifestieren können, dass Angst sich auf die Verdauung auswirkt. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Geistige Heilbehandlung wirkt auf allen drei Ebenen gleichzeitig:
Auf körperlicher Ebene:
- Tiefe Entspannung und Stressabbau
- Förderung der Durchblutung
- Anregung der Selbstheilungskräfte
- Schmerzlinderung
- Stärkung des Immunsystems
Auf geistiger/emotionaler Ebene:
- Beruhigung des „Gedankenkarussells"
- Emotionale Entlastung und Klärung
- Neue Perspektiven auf Probleme
- Reduzierung von Angst und innerer Unruhe
- Erhöhtes Gefühl von innerem Frieden
Auf seelischer Ebene:
- Verbindung zu etwas Größerem als sich selbst
- Gefühl von Geborgenheit und Getragensein (vor allem auch in Gruppenarbeit!)
- Zugang zu innerer Weisheit
- Stärkung des Vertrauens ins Leben
- Sinnfindung in schwierigen Lebensphasen
Die Rolle der Selbstheilungskräfte
Hier liegt das eigentliche Geheimnis der Heilbehandlung: Der Empfänger heilt sich selbst. Die Heilenergie aktiviert, unterstützt und verstärkt die bereits vorhandenen Selbstheilungskräfte des Körpers.
Unser Körper verfügt über erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Jeden Tag bekämpft unser Immunsystem unzählige Krankheitserreger. Wunden heilen. Knochen wachsen zusammen. Zellen erneuern sich. Doch manchmal sind diese Prozesse blockiert – durch Stress, Erschöpfung, emotionale Belastungen oder tiefsitzende Muster.
Die Heilbehandlung schafft einen Raum, in dem sich diese Blockaden lösen können. Sie gibt dem Körper die Botschaft: „Du darfst loslassen. Du darfst dich entspannen. Du darfst heilen."

Was kannst du erwarten?
Während der Behandlung
Die meisten Menschen erleben während einer Heilbehandlung tiefe Entspannung. Manche spüren Wärme oder ein sanftes Kribbeln unter den Händen des Heilers. Andere nehmen Farben, innere Bilder oder Emotionen wahr. Wieder andere schlafen einfach ein – ein Zeichen dafür, dass Körper und Geist endlich zur Ruhe kommen dürfen.
Es gibt kein „richtig" oder „falsch" bei den Empfindungen. Jeder Mensch erlebt die Behandlung auf seine eigene Weise, abhängig von seiner aktuellen Verfassung, seiner Sensibilität und dem, was gerade gebraucht wird.
Nach der Behandlung
Die Wirkungen entfalten sich oft über Tage und Wochen:
- Sofortige Entspannung: Viele fühlen sich unmittelbar danach wie „neu geboren", tief entspannt und klar.
- Verarbeitung: Manchmal werden zunächst Emotionen oder alte Themen hochgespült, bevor Erleichterung eintritt. Dies ist ein natürlicher Reinigungsprozess.
- Langfristige Veränderungen: Bei regelmäßigen Behandlungen berichten Menschen von tiefgreifenden Veränderungen in ihrem Leben – mehr innere Ruhe, klarere Entscheidungen, verbesserte Beziehungen, besserer Umgang mit Stress.
- Körperliche Verbesserungen: Chronische Beschwerden können sich lindern, Schmerzen reduzieren, Schlaf kann besser werden. Dies geschieht meist graduell, nicht über Nacht.
Heilbehandlung und Schulmedizin
Harry Edwards arbeitete Zeit seines Lebens mit Ärzten zusammen und setzte sich für die Anerkennung des geistigen Heilens als Ergänzung zur Schulmedizin ein. Tom Johanson folgte diesem Weg und wurde gerade deshalb respektiert, weil er nie Heilversprechen machte oder Menschen von ärztlicher Behandlung abhielt.
Die moderne Sichtweise versteht geistige Heilbehandlung als komplementäre Unterstützung:
- Sie kann die Heilung nach Operationen unterstützen
- Sie hilft, mit den Nebenwirkungen von Behandlungen umzugehen
- Sie stärkt die seelische Widerstandskraft in schweren Zeiten
- Sie fördert die Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen
- Sie dient der Prävention und dem Erhalt von Gesundheit
Niemals sollte sie ärztliche Diagnose und Behandlung ersetzen, insbesondere nicht bei akuten oder lebensbedrohlichen Zuständen.
Exkurs:
Die Freiburger Fernheilungs-Studie (Ende 1990er Jahre)
Beteiligte Wissenschaftler:
- Dr. Harald Walach von der Universität Freiburg (betreute eine Diplomarbeit zur statistischen Auswertung)
- Hauptinitiator: Dr. Harald Wiesendanger (Psychologe und Philosoph)
- Ein neunköpfiges Team von Medizinern und Psychologen
Studiendesign:
- 290 chronisch Kranke nahmen insgesamt teil, ausgewählt aus über 400 Bewerbern
- In der ersten Testphase (Mai bis September) wurden 120 Patienten einbezogen - 60 in der Therapiegruppe, 60 in der Kontrollgruppe
- Einschlusskriterien: Krankheit seit mindestens 12 Monaten, durch Befundberichte abgesicherte Diagnose, belegbar resistent gegen medizinische Behandlungsversuche
- 50 Geistheiler betreuten die Patienten
Messmethoden:
- Standardisierter SF-36 Fragebogen (Medical Health Trust) zur Befindlichkeit
- Wöchentliche Protokolle der Patienten
- Bewertung durch ein Team von Ärzten, Heilpraktikern und Psychologen vor und nach der Behandlung
- Eine Psychologin der Universität Freiburg wertete über 1200 Wochenprotokolle für ihre Diplomarbeit aus
Ergebnisse:
- Dr. Harald Walach bezeichnete die festgestellten Veränderungswerte als "in allen Skalen deutlich, statistisch signifikant und klinisch bedeutsam"
- Die Fernbehandelten erfuhren einen beträchtlichen Zugewinn an Lebensqualität: mehr Zuversicht, Lebensfreude und Kraft, mehr Interesse und Motivation, mehr innere Ruhe, Ausgeglichenheit und gehobene Stimmung, weniger Belastung durch Ängste und Depressionen
- Bei Testende ging es den Fernbehandelten in allen drei Untergruppen auffallend besser als der Kontrollgruppe – nach allen eingesetzten Messverfahren, sowohl in der Selbsteinschätzung als auch im Urteil des Ärzteteams
Wichtige Anmerkung von Dr. Walach: "Wichtig ist zu wissen, ob diese Form der Behandlung bei den Patienten, die sich dafür interessieren, etwas bewirkt. Dies tut sie ohne Zweifel."
Die Dokumentation erschien 1999 unter dem Titel „Heilen ohne Grenzen – ‚Fernbehandeln' auf dem Prüfstand".
Die Philosophie dahinter: Leben als Entwicklungsprozess
Tom Johanson verstand, ähnlich wie buddhistische Lehren, das Leben als einen Prozess der inneren Entwicklung. Krankheit ist in dieser Sichtweise nicht ein Makel, den es zu beseitigen gilt, sondern kann sie kann eine Botschaft sein, ein Hinweis auf Ungleichgewichte oder Entwicklungsaufgaben.
Das bedeutet nicht, dass Menschen „schuld" an ihrer Krankheit sind oder dass sie „daran arbeiten" müssen. Es bedeutet vielmehr, dass Heilung oft mehr ist als die Beseitigung von Symptomen. Wahre Heilung kann eine Transformation beinhalten – eine Veränderung in der Art, wie wir leben, denken, fühlen und mit uns selbst umgehen.
Praktische Hinweise
Für wen ist Heilbehandlung geeignet?
Grundsätzlich für jeden. Besonders hilfreich kann sie sein bei:
- Stressbedingten Beschwerden
- Chronischen Schmerzen
- Erschöpfung und Burnout
- Ängsten und depressiven Verstimmungen
- Begleitung bei schweren Erkrankungen
- Lebenskrisen und Übergangsphasen
- Dem Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung
Was du mitbringen solltest
- Offenheit für die Erfahrung (Glaube ist nicht notwendig, aber Verschlossenheit erschwert den Prozess)
- Ehrlichkeit über deine Beschwerden und Erwartungen
- Bereitschaft, sich Zeit für Integration zu nehmen
- Geduld – tiefe Heilung braucht manchmal Zeit
- Eigenverantwortung für deine Gesundheit
Abschließende Gedanken
Geistige Heilbehandlung im Sinne von Harry Edwards, Tom Johanson und der NFSH-Tradition ist eine sanfte, respektvolle Form der Unterstützung auf dem Heilungsweg. Sie ersetzt nichts, aber sie kann vieles ergänzen und vertiefen.
Ihr größtes Geschenk ist vielleicht nicht die Linderung einzelner Symptome, sondern die Erinnerung daran, dass wir mehr sind als unser Körper, mehr als unsere Diagnose, mehr als unsere Probleme. Sie lädt uns ein, wieder Kontakt aufzunehmen mit jener Kraft in uns, die heilen will – die heilen kann –, wenn wir ihr nur Raum geben.
In einer Zeit, in der wir oft gehetzt, getrennt und überfordert sind, bietet die Heilbehandlung einen heiligen Raum: einen Moment des Innehaltens, des Vertrauens, des Sich-getragen-Fühlens. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zur Heilung.
Ich danke euch- den Teilnehmern des Kurses, und den beiden Kursleiter- für wertvolle Erfahrungen, euer wertschätzendes Präsentsein, eure Empathie und für das harmonische Miteinander. Eine Gruppe, in der man sich geborgen fühlen darf. 🙏
Bei Interesse:
1982 wurde hier in Deutschland die "Gemeinschaft für geistige Entfaltung e.V." (heute: "Gemeinsam entfalten") gegründet, um diese Lehre weiterzuvermitteln. Sie bietet Kurse, vermittelt Praktizierende und ist eine Plattform für Austausch.
Dieser Artikel basiert auf der Tradition des geistigen Heilens nach Harry Edwards und Tom Johanson sowie den Prinzipien der National Federation of Spiritual Healers (NFSH). Er dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung.
Philosophie für den Alltag I
Ich möchte von Zeit zu Zeit über Philosophie schreiben. Philosophie als Lebensweg, Ratgeber und Therapie. Ich beschäftige mich gerne mit den westlichen, antiken Philosophen.
Beginnen wir heute im antiken Griechenland: mit Heraklit (540-480 v. Chr).
Grundgedanken von Heraklit:
"Ich forsche in mir selbst". Ich vertraue meiner inneren Einsicht mehr als äusseren Autoritäten.
1.Logos: Es gibt eine Ordnung hinter allem. Auch wenn es oft nach Chaos wirkt. Die Welt hat Struktur. Man muss sie erkennen, nicht erschaffen.
2. Bekannt ist vielen sicher: "Panta Rhei"- alles ist im Wandel. Oder der Spruch: "Man steigt nie zweimal in denselben Fluss." Werden und Vergehen sind gleichzeitig, alles fliesst, nichts bleibt fix. Alles verändert sich ständig.
3. Einheit der Gegensätze: Tag und Nacht. Leben und Tod, Freude und Schmerz, Gesundheit und Krankheit. Gegensätze gehören zusammen. Ohne das Eine gibt es das Andere nicht. Harmonie entsteht durch Spannung nicht durch Gleichmachen.
4. Der Mensch. Heraklit sagt- die meisten Menschen schlafen innerlich. Sie handeln nach Gewohnheit. Sie sehen nicht, was innerlich geschieht. Sie reagieren nur.
5. Das Prinzip: Feuer. Dies ist das Symbol für Wirklichkeit. Es ist ständig in Bewegung. Es verwandelt alles. Es ist Wandel selbst. Eine Metapher für Lebendigkeit und Transformation.
Der Weg ist: "Ich suche mich selbst" (oder: Erkenne mich selbst). Innere Aufmerksamkeit. Wachheit. Selbstreflexion.
1. Logos – Das größere Muster erkennen
Bevor du in Gefühlen, Gedanken oder Geschichten reagierst: Anhalten. Atmen. Wahrnehmen.
Der Logos ist das Muster hinter dem, was geschieht.
Er ist nicht in deiner Meinung darüber, sondern in der Erfahrung selbst.
Übung:
Wenn etwas dich belastet, triggt oder verwirrt:
Was geschieht in mir – wirklich jetzt?
Nicht: Was denke ich darüber.
Nicht: Was sollte sein.
Nur: Was IST.
Das ist unbequemer als jede spirituelle Theorie.
Es bringt dich direkt zu dir.
2. Wandel akzeptieren – das Ego lässt los
Heraklit sagt: Alles fließt.
Leiden entsteht, wenn du versuchst, festzuhalten, was sich bereits verändert.
Frag dich ehrlich:
Was versuche ich gerade mit Kraft zu halten,
das schon gehen will?
Das kann sein:
Wenn du festhältst, spürst du:
Wenn du loslässt, spürst du:
Loslassen = Wahrheit anerkennen.
Kein Drama.
Nur Ehrlichkeit.
3. Die Spannung der Gegensätze halten – nicht fliehen
Heraklit sagt: Harmonie entsteht aus Spannung.
Das widerspricht fast allem, was das Ego will.
Das Ego will:
Das Herz kann:
Z.B.:
Die innere Reife ist:
Ich halte die Spannung aus,
ohne mich zu zerteilen
und ohne mich zu flüchten.
Das ist der Ort, an dem Wandlung geschieht.
Nicht in der Lösung.
Nicht im Wissen.
Nicht in der Entscheidung.
Sondern im Halten.
4. Feuer – Das Transformierende in dir
Feuer ist nicht sanft.
Feuer klärt, verbrennt, wandelt.
Was dich im Leben „brennt“, ist oft genau das, was dich verwandelt.
Dinge wie:
Das Ego nennt das „Problem“.
Heraklit nennt es: Prozess.
Frage nicht:
Warum passiert mir das?
Sondern:
Was in mir möchte hier neu werden?
Wofür brennt das Alte ab?
Das ist die Sprache des Feuers.
5. „Ich suchte mich selbst.“
Nicht:
„Ich suchte Antworten.“
„Ich suchte Bestätigung.“
„Ich suchte Sicherheit.“
Sondern:
Ich wende meine Aufmerksamkeit nach innen,
ohne mich zu schonen.
Innere Arbeit ist kein „sich besser fühlen“.
Innere Arbeit ist sehen, wer du bist, wenn du nichts mehr festhältst.
Kernausrichtung
Wenn du spürst:
Hier beginnt Transformation.
Nicht in Konzepten.
Sondern in der ungeschönten, klaren, körpernahen Gegenwart.
Beginnen wir heute im antiken Griechenland: mit Heraklit (540-480 v. Chr).
Grundgedanken von Heraklit:
"Ich forsche in mir selbst". Ich vertraue meiner inneren Einsicht mehr als äusseren Autoritäten.
1.Logos: Es gibt eine Ordnung hinter allem. Auch wenn es oft nach Chaos wirkt. Die Welt hat Struktur. Man muss sie erkennen, nicht erschaffen.
2. Bekannt ist vielen sicher: "Panta Rhei"- alles ist im Wandel. Oder der Spruch: "Man steigt nie zweimal in denselben Fluss." Werden und Vergehen sind gleichzeitig, alles fliesst, nichts bleibt fix. Alles verändert sich ständig.
3. Einheit der Gegensätze: Tag und Nacht. Leben und Tod, Freude und Schmerz, Gesundheit und Krankheit. Gegensätze gehören zusammen. Ohne das Eine gibt es das Andere nicht. Harmonie entsteht durch Spannung nicht durch Gleichmachen.
4. Der Mensch. Heraklit sagt- die meisten Menschen schlafen innerlich. Sie handeln nach Gewohnheit. Sie sehen nicht, was innerlich geschieht. Sie reagieren nur.
5. Das Prinzip: Feuer. Dies ist das Symbol für Wirklichkeit. Es ist ständig in Bewegung. Es verwandelt alles. Es ist Wandel selbst. Eine Metapher für Lebendigkeit und Transformation.
Der Weg ist: "Ich suche mich selbst" (oder: Erkenne mich selbst). Innere Aufmerksamkeit. Wachheit. Selbstreflexion.
1. Logos – Das größere Muster erkennen
Bevor du in Gefühlen, Gedanken oder Geschichten reagierst: Anhalten. Atmen. Wahrnehmen.
Der Logos ist das Muster hinter dem, was geschieht.
Er ist nicht in deiner Meinung darüber, sondern in der Erfahrung selbst.
Übung:
Wenn etwas dich belastet, triggt oder verwirrt:
Was geschieht in mir – wirklich jetzt?
Nicht: Was denke ich darüber.
Nicht: Was sollte sein.
Nur: Was IST.
Das ist unbequemer als jede spirituelle Theorie.
Es bringt dich direkt zu dir.
2. Wandel akzeptieren – das Ego lässt los
Heraklit sagt: Alles fließt.
Leiden entsteht, wenn du versuchst, festzuhalten, was sich bereits verändert.
Frag dich ehrlich:
Was versuche ich gerade mit Kraft zu halten,
das schon gehen will?
Das kann sein:
- ein Bild von dir selbst
- ein alter Anteil, der Sicherheit gab
- eine Rolle
- eine Beziehung
- eine Gewohnheit
- ein altes Selbstbild („Ich bin die, die…“)
Wenn du festhältst, spürst du:
- Druck
- Enge
- Müdigkeit
- Widerstand
- Gereiztheit
Wenn du loslässt, spürst du:
- Weite
- Traurigkeit (ja, aber klar)
- Erleichterung
- Stille
Loslassen = Wahrheit anerkennen.
Kein Drama.
Nur Ehrlichkeit.
3. Die Spannung der Gegensätze halten – nicht fliehen
Heraklit sagt: Harmonie entsteht aus Spannung.
Das widerspricht fast allem, was das Ego will.
Das Ego will:
- auf die „richtige“ Seite
- klar, sicher, eindeutig
- Schmerz vermeiden, Freude festhalten
Das Herz kann:
- beides gleichzeitig halten.
Z.B.:
- „Ich fühle Liebe und Angst.“
- „Ich möchte Nähe und Rückzug.“
- „Ich fühle Vertrauen und Misstrauen.“
Die innere Reife ist:
Ich halte die Spannung aus,
ohne mich zu zerteilen
und ohne mich zu flüchten.
Das ist der Ort, an dem Wandlung geschieht.
Nicht in der Lösung.
Nicht im Wissen.
Nicht in der Entscheidung.
Sondern im Halten.
4. Feuer – Das Transformierende in dir
Feuer ist nicht sanft.
Feuer klärt, verbrennt, wandelt.
Was dich im Leben „brennt“, ist oft genau das, was dich verwandelt.
Dinge wie:
- Verlust
- Krankheit
- Übergang
- Überforderung
- Identitätskrisen
- innere Unruhe
- hormonelle Umbrüche
- spirituelle Leere
Das Ego nennt das „Problem“.
Heraklit nennt es: Prozess.
Frage nicht:
Warum passiert mir das?
Sondern:
Was in mir möchte hier neu werden?
Wofür brennt das Alte ab?
Das ist die Sprache des Feuers.
5. „Ich suchte mich selbst.“
Nicht:
„Ich suchte Antworten.“
„Ich suchte Bestätigung.“
„Ich suchte Sicherheit.“
Sondern:
Ich wende meine Aufmerksamkeit nach innen,
ohne mich zu schonen.
Innere Arbeit ist kein „sich besser fühlen“.
Innere Arbeit ist sehen, wer du bist, wenn du nichts mehr festhältst.
Kernausrichtung
Wenn du spürst:
- Druck → halte inne
- Angst → atme, fühle, aber handle nicht sofort
- Widerstand → frage, was du gerade festhältst
- Schmerz → bleib dabei, ohne Erklärung
Hier beginnt Transformation.
Nicht in Konzepten.
Sondern in der ungeschönten, klaren, körpernahen Gegenwart.
Reiki zur Unterstützung in stressigen Zeiten

Reiki - Sanfte Unterstützung in stressigen Zeiten
Kennst du das Gefühl, wenn der Terminkalender überquillt, die To-do-Liste kein Ende nimmt und du abends erschöpft ins Bett fallen – nur um sich am nächsten Morgen genauso müde wieder aufzuraffen? Oder befindest du dich gerade in einer Lebensphase, in der alles zu viel wird? Wenn Körper und Seele nach einer Pause rufen, kann Reiki ein wertvoller Begleiter sein.
Was ist Reiki?
Reiki ist eine japanische Entspannungsmethode, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Mikao Usui entwickelt wurde. Der Name setzt sich zusammen aus „Rei" (universell, spirituell) und „Ki" (Lebensenergie) – gemeinsam bedeutet es etwa „universelle Lebensenergie".
Usui, ein buddhistischer Mönch, suchte nach Wegen zur Heilung und Selbstfindung. Nach intensiver Meditation und Fastenzeit auf dem heiligen Berg Kurama erlebte er eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung, aus der das Reiki-System entstand. Später verbreitete sich diese sanfte Methode über Japan hinaus in die ganze Welt.
Die Grundidee ist einfach: Wenn unsere Lebensenergie frei fließen kann, fühlen wir uns ausgeglichen und vital. Blockaden durch Stress, Sorgen oder Überlastung können diesen Fluss jedoch behindern. Reiki unterstützt den Körper dabei, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Wie kann Reiki bei Stress und Überforderung helfen?
In unserem Alltag sind wir ständig im „Tun-Modus": E-Mails beantworten, Entscheidungen treffen, funktionieren. Unser Nervensystem läuft auf Hochtouren. Genau hier setzt Reiki an – es lädt zum „Sein" ein, zum Loslassen und zur tiefen Entspannung.
Während einer Reiki-Sitzung kommt der Körper zur Ruhe. Das parasympathische Nervensystem wird aktiviert – jener Teil unseres Nervensystems, der für Regeneration und Heilung zuständig ist. Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung wird tiefer, die Muskulatur entspannt sich.
Viele Menschen berichten, dass sie nach einer Sitzung:
- Sich deutlich entspannter und ruhiger fühlen
- Besser schlafen können
- Klarheit im Kopf erleben
- Neue Energie und Lebensfreude spüren
- Einen besseren Zugang zu sich selbst finden
Besonders in Lebenskrisen – sei es berufliche Neuorientierung, Trauer, Trennung oder gesundheitliche Herausforderungen – kann Reiki eine unterstützende Begleitung sein. Es ersetzt keine Therapie oder medizinische Behandlung, kann aber einen geschützten Raum bieten, in dem du zur Ruhe kommen und deine inneren Ressourcen stärken.
Was passiert während einer Reiki-Sitzung?
Viele Menschen sind zunächst unsicher, was sie bei einer Reiki-Behandlung erwartet. Die gute Nachricht: Du musst nichts tun, nichts leisten – einfach nur da sein.
Zu Beginn der Sitzung findet ein kurzes Gespräch statt. Hier kannst du deine aktuellen Themen ansprechen: Was beschäftigt dich? Wo spürst du Stress oder Anspannung im Körper? Hast du konkrete Beschwerden? Diese Informationen helfen dem Therapeuten, die Sitzung auf deine Bedürfnisse abzustimmen.
Die Behandlung selbst findet im Liegen statt – vollständig bekleidet auf einer bequemen Liege. Wenn gewünscht, kann auch sanfte Musik gespielt werden. Du wirst eingeladen, die Augen zu schließen und einfach zur Ruhe zu kommen.
Der Reiki-Gebende legt seine Hände nacheinander auf verschiedene Positionen deines Körpers – vom Kopf über den Oberkörper bis zu den Beinen und Füßen. Die Berührung ist sanft und respektvoll. Bei manchen Positionen werden die Hände auch nur wenige Zentimeter über dem Körper gehalten, ohne direkten Kontakt. Jede Position wird mehrere Minuten gehalten.
Was du dabei empfinden kannst, ist sehr individuell. Manche Menschen spüren eine angenehme Wärme oder ein sanftes Kribbeln. Andere nehmen Farben oder Bilder wahr. Viele gleiten in einen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf – ähnlich wie in einer tiefen Meditation. Es kann auch vorkommen, dass Emotionen auftauchen oder sich lösen. All das ist völlig in Ordnung und Teil des Prozesses.
Eine Sitzung dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten.
Nach der Behandlung nimmst du dir Zeit, langsam wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Oft fühlt man sich etwas benommen – wie nach einem erholsamen Tiefschlaf. Ein Glas Wasser und ein kurzes Nachgespräch helfen beim Übergang zurück in den Alltag.
Die Tage nach der Sitzung
Reiki wirkt häufig noch einige Tage nach. Manchen Menschen fühlen sich sofort energiegeladen, andere zunächst müde – beides ist ein Zeichen dafür, dass der Körper arbeitet und sich neu ordnet. Gönne dir in dieser Zeit besondere Achtsamkeit: viel trinken, gut schlafen, sich Zeit für sich selbst nehmen.
Bei chronischem Stress oder in tiefgreifenden Lebenskrisen empfiehlt sich oft eine Serie von Sitzungen, um nachhaltige Veränderungen zu unterstützen. Wie bei allen ganzheitlichen Methoden braucht auch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte manchmal Zeit.
Reiki als Teil Deiner Selbstfürsorge
Reiki ist keine "Wunderheilung" und kein Ersatz für notwendige medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Es ist vielmehr ein sanfter, unterstützender Weg, um mit sich selbst wieder in Kontakt zu kommen – besonders dann, wenn das Leben turbulent ist.
In einer Welt, die ständige Verfügbarkeit und Leistung fordert, ist es ein Akt der Selbstfürsorge, sich bewusst Zeit für Entspannung und Regeneration zu nehmen. Reiki bietet dir diesen Raum: einen Moment des Innehaltens, in dem deine Selbstheilungskräfte aktiv werden können.
Wenn du neugierig geworden sind, probiere es aus!
Vielleicht ist Reiki genau die Unterstützung, die du gerade brauchst, um wieder zu Kräften zu kommen und gestärkt durch herausfordernde Zeiten zu gehen.
In meiner Praxis in Lörrach biete ich dir den Raum für eine Reiki-Behandlung. Ich habe meine Reiki Ausbildung 1998 begonnen, und über mehrere Jahre absolviert.
Melde dich gerne bei mir, wenn du Reiki für dich ausprobieren magst!
Gelassen bleiben. Innere Ruhe finden
05/11/25 12:07 Filed in: Seele | Achtsamkeit
Kennst du das? Wenn die innere Unruhe nicht aufhört
Kommst du abends schwer runter? Fühlst du dich oft unter Strom, als würde dich etwas permanent antreiben – und du kannst einfach nicht abschalten? Du bist wie in einem Hamsterrad.
Natürlich spielt deine Persönlichkeit eine Rolle dabei, wie sehr dich solche Phasen belasten. Aber die gute Nachricht: Es gibt konkrete Wege, wie du deine Balance wiederfinden kannst.
Ich zeige dir ein paar praktische Ansätze, die dir helfen können, mehr Entspannung in deinen Tag zu holen.
Was bedeutet innere Gelassenheit eigentlich?
Innere Gelassenheit beschreibt einen Zustand, in dem du emotional im Gleichgewicht bist. Du lässt dich nicht so schnell verunsichern und fühlst dich mit dir selbst wohl. Selbst wenn äußerlich nicht alles glatt läuft – innerlich bleibst du gefestigt. Du spürst eine Harmonie zwischen Körper und Geist. Schon die alten Philosophen in Ost und West haben Gelassenheit als oberstes Ziel angesehen.
Besonders in anspruchsvollen Situationen merkst du, wie stabil du wirklich bist: Während andere vielleicht in Panik geraten, kannst du einen kühlen Kopf bewahren.
Woran erkennst du, dass jemand innere Gelassenheit hat?
Wenn du in herausfordernden Momenten ruhig bleibst, während andere nervös werden, zeigt das echte innere Stärke.
Das bedeutet konkret, dass du über folgendes verfügst:
Andere Begriffe für innere Gelassenheit: Du kannst auch von Ausgeglichenheit, innerem Frieden, Gleichmut oder Seelenruhe sprechen – oder einfach sagen: im Einklang mit sich selbst sein.
Praktische Wege zu mehr innerer Ruhe
Manche Menschen scheinen von Natur aus entspannt zu sein – sie lassen sich durch nichts erschüttern. Für die meisten ist das aber eine Fähigkeit, die man trainieren muss. Mit regelmäßiger Praxis kannst auch du zu mehr innerer Ausgeglichenheit finden.
1. Erkenne deine persönlichen Stressfaktoren
Der erste Schritt zur Gelassenheit ist zu verstehen, was dich eigentlich stresst. Jeder Mensch hat unterschiedliche Triggerpunkte: knapper Zeitrahmen, hohe Erwartungen, Veränderungen oder Prüfungssituationen. Wenn du deine Auslöser kennst, kannst du bewusster reagieren – oder sie manchmal sogar umgehen.
2. Etabliere eine tägliche Meditationspraxis
Meditation gehört zu den wirksamsten Methoden für mehr innere Ruhe. Du nimmst dir bewusst eine Auszeit, kommst bei dir selbst an und sortierst deine Gedanken. Bereits 10 Minuten täglich können spürbare Veränderungen bewirken.
Mein Tipp: Verbinde Meditation mit bewusster Atmung oder Achtsamkeitsübungen für einen verstärkten Effekt. Als Alternativen bieten sich auch Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung an.
3. Nimm dir bewusst Auszeiten – vielleicht mit einer Tasse Tee
Eine Tasse Tee wirkt beruhigend – nicht nur durch die Inhaltsstoffe, sondern auch durch die Wärme und das bewusste Pausieren. Bei akuter innerer Anspannung kann das helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Wichtig zu wissen: Integriere generell mehr kleine Pausen in deinen Alltag. Falls das gerade nicht möglich ist, können feste Rituale helfen, um zwischendurch herunterzufahren.
Aber ehrlich: Pausen und Tee sind Erste-Hilfe-Maßnahmen. Für nachhaltige Veränderungen brauchst du Strategien, die an den Wurzeln ansetzen.
4. Pflege echte Freundschaften
Sich jemandem anzuvertrauen wirkt fast immer entlastend – vor allem, wenn du mit Menschen sprichst, die dir nahestehen.
Offene Gespräche reduzieren Sorgen, schaffen Klarheit oder eröffnen dir neue Perspektiven. Manchmal reicht es schon, alles auszusprechen – auch ohne konkrete Lösung.
5. Stärke dein Selbstvertrauen
Langfristige innere Ruhe entsteht nur, wenn du dich selbst akzeptierst und an deine Fähigkeiten glaubst.
Je selbstsicherer du bist, desto entspannter gehst du mit stressigen Situationen um.
Mein Tipp: Dokumentiere deine Erfolge – zum Beispiel in einem Tagebuch oder Journal. Es hilft enorm, regelmäßig nachzulesen, was du alles erreicht hast.
6. Höre auf, dich zu vergleichen
Innere Zufriedenheit hängt eng mit Gelassenheit zusammen. Und diese Zufriedenheit leidet, wenn du dich ständig mit anderen misst (z.b. in Social Media wie Instagram, wo oft das perfekte Leben durch sog. Influencer suggeriert wird).
Anstatt nach außen zu blicken, schau in dich hinein. Kultiviere Dankbarkeit – das verändert wirklich alles. Notiere dir täglich einige Dinge, für die du dankbar bist: deine Gesundheit, Menschen, die dich mögen, ein Dach über dem Kopf, leckeres Essen...
So wird dir bewusst, was wirklich wichtig ist – und du findest nach und nach zu mehr innerer Ruhe.
7. Vergiss den Perfektionismus
Setze dir realistische Ziele – sowohl beruflich als auch privat. Zu hohe Erwartungen erzeugen nur unnötigen Druck.
Fehler sind normal. Sie passieren einfach. Es geht nicht darum, alles makellos zu machen – sondern gelassen mit dem umzugehen, was passiert. Diese Einstellung bringt Leichtigkeit – und beruhigt deinen Geist.
8. Bereite dich gut vor
Gute Vorbereitung gibt dir automatisch mehr innere Sicherheit. Ängste und Zweifel entstehen oft aus dem Gefühl, nicht bereit zu sein.
Erstelle dir also einen Plan – und erinnere dich an frühere Erfolge. Positive Erfahrungen stärken dich. Je mehr du dir selbst vertraust, desto ruhiger wirst du.
9. Bewege deinen Körper
Körperliche Bewegung ist ein fantastischer Stressabbau. Ob Spaziergang, Joggen oder einfach nur rausgehen – wichtig ist, dass du dich bewegst. Hierbei werden Stresshormone effektiv und schnell abgebaut.
Versuche dabei, den Kopf abzuschalten. Kein Grübeln – nur du, dein Körper und der Augenblick. Danach fühlst du dich klarer, entspannter – und wieder mehr bei dir selbst.
10. Achte auf ausreichend Schlaf
Dauerhaft schlechter oder zu wenig Schlaf belastet dich massiv – körperlich und mental. Du bekommst Kopfschmerzen, kannst dich schlecht konzentrieren und fühlst dich erschöpft.
Außerdem erhöht chronischer Schlafmangel das Risiko für Bluthochdruck und Übergewicht.
Wenn du innere Ruhe suchst, beginne beim Schlaf. Erwachsene benötigen durchschnittlich 7 bis 9 Stunden ununterbrochenen Schlaf pro Nacht.
Das tut nicht nur deinem Körper gut – es stabilisiert auch deine Emotionen.
Was bringt dich aus dem Gleichgewicht?
Ein gewisses Maß an Anspannung ist völlig normal. Problematisch wird es erst, wenn du das Gefühl bekommst, die Kontrolle zu verlieren.
Große Lebenseinschnitte wie eine Trennung, Scheidung oder der Verlust eines geliebten Menschen können dein seelisches Gleichgewicht erheblich erschüttern.
Wenn deine innere Balance kippt, fällt klares Denken schwer. Du verlierst den Überblick – und machst möglicherweise Fehler, die deine Unruhe noch verschlimmern.
Ein klassischer Teufelskreis. Aber genau diesen Kreislauf kannst du durchbrechen – mit den Strategien und Übungen, die ich dir hier gezeigt habe.
Kommst du abends schwer runter? Fühlst du dich oft unter Strom, als würde dich etwas permanent antreiben – und du kannst einfach nicht abschalten? Du bist wie in einem Hamsterrad.
Natürlich spielt deine Persönlichkeit eine Rolle dabei, wie sehr dich solche Phasen belasten. Aber die gute Nachricht: Es gibt konkrete Wege, wie du deine Balance wiederfinden kannst.
Ich zeige dir ein paar praktische Ansätze, die dir helfen können, mehr Entspannung in deinen Tag zu holen.
Was bedeutet innere Gelassenheit eigentlich?
Innere Gelassenheit beschreibt einen Zustand, in dem du emotional im Gleichgewicht bist. Du lässt dich nicht so schnell verunsichern und fühlst dich mit dir selbst wohl. Selbst wenn äußerlich nicht alles glatt läuft – innerlich bleibst du gefestigt. Du spürst eine Harmonie zwischen Körper und Geist. Schon die alten Philosophen in Ost und West haben Gelassenheit als oberstes Ziel angesehen.
Besonders in anspruchsvollen Situationen merkst du, wie stabil du wirklich bist: Während andere vielleicht in Panik geraten, kannst du einen kühlen Kopf bewahren.
Woran erkennst du, dass jemand innere Gelassenheit hat?
Wenn du in herausfordernden Momenten ruhig bleibst, während andere nervös werden, zeigt das echte innere Stärke.
Das bedeutet konkret, dass du über folgendes verfügst:
- Emotionale Festigkeit
- Bewusste Steuerung deiner Reaktionen
- Gute Widerstandskraft
- Psychische Stabilität (Resilienz)
Andere Begriffe für innere Gelassenheit: Du kannst auch von Ausgeglichenheit, innerem Frieden, Gleichmut oder Seelenruhe sprechen – oder einfach sagen: im Einklang mit sich selbst sein.
Praktische Wege zu mehr innerer Ruhe
Manche Menschen scheinen von Natur aus entspannt zu sein – sie lassen sich durch nichts erschüttern. Für die meisten ist das aber eine Fähigkeit, die man trainieren muss. Mit regelmäßiger Praxis kannst auch du zu mehr innerer Ausgeglichenheit finden.
1. Erkenne deine persönlichen Stressfaktoren
Der erste Schritt zur Gelassenheit ist zu verstehen, was dich eigentlich stresst. Jeder Mensch hat unterschiedliche Triggerpunkte: knapper Zeitrahmen, hohe Erwartungen, Veränderungen oder Prüfungssituationen. Wenn du deine Auslöser kennst, kannst du bewusster reagieren – oder sie manchmal sogar umgehen.
2. Etabliere eine tägliche Meditationspraxis
Meditation gehört zu den wirksamsten Methoden für mehr innere Ruhe. Du nimmst dir bewusst eine Auszeit, kommst bei dir selbst an und sortierst deine Gedanken. Bereits 10 Minuten täglich können spürbare Veränderungen bewirken.
Mein Tipp: Verbinde Meditation mit bewusster Atmung oder Achtsamkeitsübungen für einen verstärkten Effekt. Als Alternativen bieten sich auch Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung an.
3. Nimm dir bewusst Auszeiten – vielleicht mit einer Tasse Tee
Eine Tasse Tee wirkt beruhigend – nicht nur durch die Inhaltsstoffe, sondern auch durch die Wärme und das bewusste Pausieren. Bei akuter innerer Anspannung kann das helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Wichtig zu wissen: Integriere generell mehr kleine Pausen in deinen Alltag. Falls das gerade nicht möglich ist, können feste Rituale helfen, um zwischendurch herunterzufahren.
Aber ehrlich: Pausen und Tee sind Erste-Hilfe-Maßnahmen. Für nachhaltige Veränderungen brauchst du Strategien, die an den Wurzeln ansetzen.
4. Pflege echte Freundschaften
Sich jemandem anzuvertrauen wirkt fast immer entlastend – vor allem, wenn du mit Menschen sprichst, die dir nahestehen.
Offene Gespräche reduzieren Sorgen, schaffen Klarheit oder eröffnen dir neue Perspektiven. Manchmal reicht es schon, alles auszusprechen – auch ohne konkrete Lösung.
5. Stärke dein Selbstvertrauen
Langfristige innere Ruhe entsteht nur, wenn du dich selbst akzeptierst und an deine Fähigkeiten glaubst.
Je selbstsicherer du bist, desto entspannter gehst du mit stressigen Situationen um.
Mein Tipp: Dokumentiere deine Erfolge – zum Beispiel in einem Tagebuch oder Journal. Es hilft enorm, regelmäßig nachzulesen, was du alles erreicht hast.
6. Höre auf, dich zu vergleichen
Innere Zufriedenheit hängt eng mit Gelassenheit zusammen. Und diese Zufriedenheit leidet, wenn du dich ständig mit anderen misst (z.b. in Social Media wie Instagram, wo oft das perfekte Leben durch sog. Influencer suggeriert wird).
Anstatt nach außen zu blicken, schau in dich hinein. Kultiviere Dankbarkeit – das verändert wirklich alles. Notiere dir täglich einige Dinge, für die du dankbar bist: deine Gesundheit, Menschen, die dich mögen, ein Dach über dem Kopf, leckeres Essen...
So wird dir bewusst, was wirklich wichtig ist – und du findest nach und nach zu mehr innerer Ruhe.
7. Vergiss den Perfektionismus
Setze dir realistische Ziele – sowohl beruflich als auch privat. Zu hohe Erwartungen erzeugen nur unnötigen Druck.
Fehler sind normal. Sie passieren einfach. Es geht nicht darum, alles makellos zu machen – sondern gelassen mit dem umzugehen, was passiert. Diese Einstellung bringt Leichtigkeit – und beruhigt deinen Geist.
8. Bereite dich gut vor
Gute Vorbereitung gibt dir automatisch mehr innere Sicherheit. Ängste und Zweifel entstehen oft aus dem Gefühl, nicht bereit zu sein.
Erstelle dir also einen Plan – und erinnere dich an frühere Erfolge. Positive Erfahrungen stärken dich. Je mehr du dir selbst vertraust, desto ruhiger wirst du.
9. Bewege deinen Körper
Körperliche Bewegung ist ein fantastischer Stressabbau. Ob Spaziergang, Joggen oder einfach nur rausgehen – wichtig ist, dass du dich bewegst. Hierbei werden Stresshormone effektiv und schnell abgebaut.
Versuche dabei, den Kopf abzuschalten. Kein Grübeln – nur du, dein Körper und der Augenblick. Danach fühlst du dich klarer, entspannter – und wieder mehr bei dir selbst.
10. Achte auf ausreichend Schlaf
Dauerhaft schlechter oder zu wenig Schlaf belastet dich massiv – körperlich und mental. Du bekommst Kopfschmerzen, kannst dich schlecht konzentrieren und fühlst dich erschöpft.
Außerdem erhöht chronischer Schlafmangel das Risiko für Bluthochdruck und Übergewicht.
Wenn du innere Ruhe suchst, beginne beim Schlaf. Erwachsene benötigen durchschnittlich 7 bis 9 Stunden ununterbrochenen Schlaf pro Nacht.
Das tut nicht nur deinem Körper gut – es stabilisiert auch deine Emotionen.
Was bringt dich aus dem Gleichgewicht?
Ein gewisses Maß an Anspannung ist völlig normal. Problematisch wird es erst, wenn du das Gefühl bekommst, die Kontrolle zu verlieren.
Große Lebenseinschnitte wie eine Trennung, Scheidung oder der Verlust eines geliebten Menschen können dein seelisches Gleichgewicht erheblich erschüttern.
Wenn deine innere Balance kippt, fällt klares Denken schwer. Du verlierst den Überblick – und machst möglicherweise Fehler, die deine Unruhe noch verschlimmern.
Ein klassischer Teufelskreis. Aber genau diesen Kreislauf kannst du durchbrechen – mit den Strategien und Übungen, die ich dir hier gezeigt habe.
Meditation und Achtsamkeit: Ein Leitfaden für Einsteiger
Meditation und Achtsamkeit: Ein Leitfaden für Einsteiger
Heute zu Allerheiligen, einem Tag der Besinnung und dem Gedenken, möchte ich einen kurzen Beitrag zum Thema Innehalten und Meditation veröffentlichen. Ich selbst meditiere seit meiner Jugend. Aus der Not heraus. Mir ging es gesundheitlich, seelisch sehr schlecht. Meine Bio- Lehrerin hat mich an eine Atemtherapeutin (nach Prof. Ilse Middendorf) verwiesen, die mich in Atemtechniken eingelernt hat. Auch in die Lehre der Chakren und die Zusammenhänge von Atem-und Bewegung und dem vegetativen Nervensystem. Seit dort habe ich verschiedene Meditationstechniken erlernt, und wende sie regelmässig an.
Was ist Meditation eigentlich?
Meditation ist eine jahrtausendealte Praxis, die in verschiedenen Kulturen und Traditionen verwurzelt ist. Im Kern geht es darum, den Geist zu beruhigen und das Bewusstsein zu fokussieren. Dabei ist Meditation kein esoterisches Geheimnis, sondern eine trainierbare Fähigkeit – ähnlich wie das Erlernen eines Musikinstruments oder einer Sportart.
Bei der Meditation geht es nicht darum, “nichts zu denken” oder in einen tranceartigen Zustand zu verfallen (was man natürlich kann, wenn man will). Vielmehr lernen wir, unsere Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sofort auf sie zu reagieren. Wir entwickeln eine beobachtende Haltung gegenüber unserem inneren Erleben.
Verschiedene Formen der Meditation
Die Vielfalt der Meditationsformen kann anfangs überwältigend wirken. Hier sind einige der häufigsten Ansätze:
**Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness)**
Diese Form stammt aus dem Buddhismus und hat in den letzten Jahrzehnten große Verbreitung im Westen gefunden. Dabei richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment – etwa auf den Atem, Körperempfindungen oder Geräusche – ohne zu bewerten (diesen in Gedanken nachzugehen).
**Atemmeditation**
Der Atem dient als Anker für die Aufmerksamkeit. Wir beobachten einfach, wie die Luft ein- und ausströmt, wie sich der Bauch hebt und senkt. Schweifen die Gedanken ab, kehren wir sanft zum Atem zurück.
**Body-Scan**
Bei dieser Technik wandert die Aufmerksamkeit systematisch durch den Körper – von den Zehen bis zum Scheitel. Wir nehmen wahr, was ist: Spannungen, Wärme, Kribbeln, Entspannung.
**Mantra-Meditation**
Hier wiederholen wir innerlich ein Wort oder einen Satz. Das Mantra hilft, den Geist zu fokussieren und störende Gedanken sanft beiseite zu schieben.
**Gehmeditation**
Meditation muss nicht im Sitzen stattfinden. Beim achtsamen Gehen spüren wir bewusst jeden Schritt, die Bewegung der Beine, den Kontakt der Füße mit dem Boden.
**Loving-Kindness-Meditation (Metta)**
Diese Form kultiviert Mitgefühl und Wohlwollen – zunächst für uns selbst, dann für andere. Wir senden gedanklich gute Wünsche aus: “Möge ich glücklich sein, möge ich gesund sein…”
Was passiert im Körper während der Meditation?
Die Effekte der Meditation sind nicht nur subjektiv spürbar, sondern auch objektiv messbar. Neurowissenschaftliche Studien zeigen faszinierende Veränderungen im Gehirn und im gesamten Organismus.
Das vegetative Nervensystem: Von Kampf zu Entspannung
Unser vegetatives Nervensystem besteht aus zwei Hauptakteuren: dem Sympathikus (unser “Gaspedal”) und dem Parasympathikus (unsere “Bremse”).
Der **Sympathikus** versetzt uns in Alarmbereitschaft: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung wird flacher, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet. Diese Reaktion ist evolutionär sinnvoll – sie half unseren Vorfahren, vor Gefahren zu fliehen oder zu kämpfen.
Der **Parasympathikus** hingegen aktiviert den “Ruhe-und-Verdauungs-Modus”: Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung wird tiefer und ruhiger, die Verdauung wird angeregt, und der Körper kann regenerieren.
Meditation aktiviert gezielt den Parasympathikus. Konkret geschieht Folgendes:
- Herzfrequenz und Blutdruck sinken: Der Körper signalisiert “Entwarnung”
- Atmung wird tiefer und langsamer: Mehr Sauerstoff gelangt in die Zellen
- Muskelspannung lässt nach: Verspannungen lösen sich
- Stresshormone nehmen ab: Der Cortisolspiegel sinkt messbar
- Immunsystem wird gestärkt: Entzündungswerte im Blut reduzieren sich
- Verdauung normalisiert sich: Bei chronischem Stress oft gestört
Regelmäßige Meditation verändert sogar die Struktur des Gehirns. Der präfrontale Cortex, zuständig für Aufmerksamkeit und Emotionsregulation, wird dichter. Die Amygdala, unser “Angstzentrum”, schrumpft – wir reagieren weniger reflexartig auf Stressoren.
Meditation und Stress: Eine heilsame Beziehung
Chronischer Stress ist eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit. Er begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwächt das Immunsystem, fördert Depressionen und Angststörungen.
Meditation wirkt hier auf mehreren Ebenen:
Akute Stressreduktion: Schon eine kurze Meditationssession kann das Stressniveau senken. Wir unterbrechen den Kreislauf aus Gedankenkarussell und körperlicher Anspannung.
Veränderung der Stressreaktion: Mit der Zeit lernen wir, zwischen Reiz und Reaktion einen Raum zu schaffen. Ein Stressor löst nicht mehr automatisch Panik aus – wir können bewusster wählen, wie wir reagieren.
Erhöhte Resilienz: Regelmäßige Meditation macht uns widerstandsfähiger. Belastungen werfen uns nicht mehr so leicht aus der Bahn.
Perspektivwechsel: Wir erkennen, dass Gedanken nur Gedanken sind – keine absolute Wahrheit. Diese Erkenntnis nimmt ihnen oft ihre bedrohliche Macht.
Meditation bei Schmerzen
Chronische Schmerzen sind eine enorme Belastung. Interessanterweise kann Meditation helfen – nicht indem sie Schmerzen “wegzaubert”, sondern indem sie unsere Beziehung zum Schmerz verändert.
Schmerz besteht aus zwei Komponenten: der physischen Empfindung und unserer emotionalen Bewertung. Oft verstärken wir Schmerzen durch Anspannung, Angst und Ablehnung. “Es darf nicht sein”, “Es wird nie besser”, “Ich halte das nicht aus” – solche Gedanken intensivieren das Leiden.
In der Meditation lernen wir, Schmerz als Empfindung zu beobachten, ohne sofort in Kampfmodus zu gehen:
- Wo genau spüre ich den Schmerz?
- Wie fühlt er sich an? Stechend, dumpf, brennend?
- Ist er konstant oder pulsierend?
- Verändert er sich im Laufe der Beobachtung?
Diese neugierige, nicht-wertende Haltung kann die Schmerzintensität reduzieren. Studien zeigen, dass Meditation besonders bei Rückenschmerzen, Migräne und Fibromyalgie wirksam ist.
Wichtig: Meditation ersetzt keine medizinische Behandlung, sondern ergänzt sie. Bei neuen oder unklaren Schmerzen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Meditation und Trauer
Trauer ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion auf Verlust. Dennoch kann sie überwältigend sein – ein Sturm aus Emotionen, der uns den Boden unter den Füßen wegzureißen scheint.
Mit Meditation kann man Trauer nicht wegzaubern, aber sie kann einen sicheren Raum schaffen, in dem wir unseren Gefühlen begegnen können:
Präsenz statt Vermeidung: Meditation lehrt uns, schwierige Gefühle auszuhalten, ohne sie wegzudrücken oder uns in ihnen zu verlieren. Wir lernen: “Ich fühle Trauer” statt “Ich bin meine Trauer”.
Selbstmitgefühl: Gerade in schweren Zeiten sind wir oft hart zu uns selbst. Loving-Kindness-Meditation kann helfen, uns mit Freundlichkeit zu begegnen.
Akzeptanz: Meditation fördert die Fähigkeit, das Unveränderliche anzunehmen – nicht resigniert, sondern mit einer Art weiser Gelassenheit.
Körperverankerung: Trauer manifestiert sich oft körperlich – als Enge in der Brust, Schwere in den Gliedern. Body-Scan-Meditationen helfen, diese Empfindungen wahrzunehmen und zu durchatmen.
Auch hier gilt: Meditation ist kein Ersatz für Trauerbegleitung oder Psychotherapie, kann aber eine wertvolle Ergänzung sein.
Wie fange ich an? Praktische Tipps
Klein beginnen: Fünf Minuten täglich (gleich nach dem Aufwachen, oder vor dem Schlafengehen) sind besser als einmal pro Woche eine Stunde. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer.
Feste Zeit etablieren: Meditation funktioniert am besten als Routine – etwa morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen.
Komfortabel sitzen: Man muss nicht im Lotussitz meditieren. Ein Stuhl mit geradem Rücken ist völlig ausreichend, oder auch liegend!
Sanft mit sich sein: Gedankenwandern ist normal. Der “Muskel” der Aufmerksamkeit wird stärker, indem wir immer wieder zurückkehren – ohne Selbstkritik.
Unterstützung nutzen: Angeleitete Meditationen können gerade am Anfang sehr hilfreich sein.
Meine persönliche Empfehlung: Insight Timer
In meiner Praxis empfehle ich regelmäßig die App **Insight Timer**. Warum? Sie bietet eine enorme Vielfalt – über 100.000 geführte Meditationen in verschiedenen Sprachen, zu unterschiedlichen Themen und für alle Erfahrungsstufen.
Besonders gerne mag ich:
- Die große Auswahl an deutschsprachigen Meditationen
- Geführte Kurse für Einsteiger (in der Bezahlversion)
- Timer für stille Meditation mit verschiedenen Glockenklängen
- Die Möglichkeit, eigene Favoriten zu speichern
- Kostenfreie Basisversion mit bereits umfangreichem Angebot
- Austausch mit anderen Menschen, es gibt auch Gruppen, die gemeinsam an bestimmten Tagen meditieren
- Life events, die man nutzen kann
Die App nimmt die Ausrede “Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll”. Einfach herunterladen, eine kurze Meditation auswählen – und loslegen.
Fazit: Ein Geschenk an sich selbst
Meditation ist keine schnelle Lösung für alle Lebensprobleme. Sie ist eher wie das tägliche Zähneputzen für den Geist – eine liebevolle Hygiene, die langfristig Früchte trägt.
Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig: Meditation verändert Gehirn, Körper und unser Erleben. Sie macht uns nicht zu perfekten, immer gelassenen Menschen. Aber sie schenkt uns Momente der Ruhe, hilft uns, bewusster zu leben, und gibt uns Werkzeuge an die Hand, um mit Stress, Schmerz und schwierigen Emotionen umzugehen.
Probiere es aus! Fünf Minuten heute Abend. Vielleicht überrascht es dich, was in dieser kurzen Zeit geschehen kann.
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*Dieser Blogbeitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an qualifizierte Fachpersonen.*
Heute zu Allerheiligen, einem Tag der Besinnung und dem Gedenken, möchte ich einen kurzen Beitrag zum Thema Innehalten und Meditation veröffentlichen. Ich selbst meditiere seit meiner Jugend. Aus der Not heraus. Mir ging es gesundheitlich, seelisch sehr schlecht. Meine Bio- Lehrerin hat mich an eine Atemtherapeutin (nach Prof. Ilse Middendorf) verwiesen, die mich in Atemtechniken eingelernt hat. Auch in die Lehre der Chakren und die Zusammenhänge von Atem-und Bewegung und dem vegetativen Nervensystem. Seit dort habe ich verschiedene Meditationstechniken erlernt, und wende sie regelmässig an.
Was ist Meditation eigentlich?
Meditation ist eine jahrtausendealte Praxis, die in verschiedenen Kulturen und Traditionen verwurzelt ist. Im Kern geht es darum, den Geist zu beruhigen und das Bewusstsein zu fokussieren. Dabei ist Meditation kein esoterisches Geheimnis, sondern eine trainierbare Fähigkeit – ähnlich wie das Erlernen eines Musikinstruments oder einer Sportart.
Bei der Meditation geht es nicht darum, “nichts zu denken” oder in einen tranceartigen Zustand zu verfallen (was man natürlich kann, wenn man will). Vielmehr lernen wir, unsere Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sofort auf sie zu reagieren. Wir entwickeln eine beobachtende Haltung gegenüber unserem inneren Erleben.
Verschiedene Formen der Meditation
Die Vielfalt der Meditationsformen kann anfangs überwältigend wirken. Hier sind einige der häufigsten Ansätze:
**Achtsamkeitsmeditation (Mindfulness)**
Diese Form stammt aus dem Buddhismus und hat in den letzten Jahrzehnten große Verbreitung im Westen gefunden. Dabei richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment – etwa auf den Atem, Körperempfindungen oder Geräusche – ohne zu bewerten (diesen in Gedanken nachzugehen).
**Atemmeditation**
Der Atem dient als Anker für die Aufmerksamkeit. Wir beobachten einfach, wie die Luft ein- und ausströmt, wie sich der Bauch hebt und senkt. Schweifen die Gedanken ab, kehren wir sanft zum Atem zurück.
**Body-Scan**
Bei dieser Technik wandert die Aufmerksamkeit systematisch durch den Körper – von den Zehen bis zum Scheitel. Wir nehmen wahr, was ist: Spannungen, Wärme, Kribbeln, Entspannung.
**Mantra-Meditation**
Hier wiederholen wir innerlich ein Wort oder einen Satz. Das Mantra hilft, den Geist zu fokussieren und störende Gedanken sanft beiseite zu schieben.
**Gehmeditation**
Meditation muss nicht im Sitzen stattfinden. Beim achtsamen Gehen spüren wir bewusst jeden Schritt, die Bewegung der Beine, den Kontakt der Füße mit dem Boden.
**Loving-Kindness-Meditation (Metta)**
Diese Form kultiviert Mitgefühl und Wohlwollen – zunächst für uns selbst, dann für andere. Wir senden gedanklich gute Wünsche aus: “Möge ich glücklich sein, möge ich gesund sein…”
Was passiert im Körper während der Meditation?
Die Effekte der Meditation sind nicht nur subjektiv spürbar, sondern auch objektiv messbar. Neurowissenschaftliche Studien zeigen faszinierende Veränderungen im Gehirn und im gesamten Organismus.
Das vegetative Nervensystem: Von Kampf zu Entspannung
Unser vegetatives Nervensystem besteht aus zwei Hauptakteuren: dem Sympathikus (unser “Gaspedal”) und dem Parasympathikus (unsere “Bremse”).
Der **Sympathikus** versetzt uns in Alarmbereitschaft: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung wird flacher, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet. Diese Reaktion ist evolutionär sinnvoll – sie half unseren Vorfahren, vor Gefahren zu fliehen oder zu kämpfen.
Der **Parasympathikus** hingegen aktiviert den “Ruhe-und-Verdauungs-Modus”: Der Herzschlag verlangsamt sich, die Atmung wird tiefer und ruhiger, die Verdauung wird angeregt, und der Körper kann regenerieren.
Meditation aktiviert gezielt den Parasympathikus. Konkret geschieht Folgendes:
- Herzfrequenz und Blutdruck sinken: Der Körper signalisiert “Entwarnung”
- Atmung wird tiefer und langsamer: Mehr Sauerstoff gelangt in die Zellen
- Muskelspannung lässt nach: Verspannungen lösen sich
- Stresshormone nehmen ab: Der Cortisolspiegel sinkt messbar
- Immunsystem wird gestärkt: Entzündungswerte im Blut reduzieren sich
- Verdauung normalisiert sich: Bei chronischem Stress oft gestört
Regelmäßige Meditation verändert sogar die Struktur des Gehirns. Der präfrontale Cortex, zuständig für Aufmerksamkeit und Emotionsregulation, wird dichter. Die Amygdala, unser “Angstzentrum”, schrumpft – wir reagieren weniger reflexartig auf Stressoren.
Meditation und Stress: Eine heilsame Beziehung
Chronischer Stress ist eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit. Er begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwächt das Immunsystem, fördert Depressionen und Angststörungen.
Meditation wirkt hier auf mehreren Ebenen:
Akute Stressreduktion: Schon eine kurze Meditationssession kann das Stressniveau senken. Wir unterbrechen den Kreislauf aus Gedankenkarussell und körperlicher Anspannung.
Veränderung der Stressreaktion: Mit der Zeit lernen wir, zwischen Reiz und Reaktion einen Raum zu schaffen. Ein Stressor löst nicht mehr automatisch Panik aus – wir können bewusster wählen, wie wir reagieren.
Erhöhte Resilienz: Regelmäßige Meditation macht uns widerstandsfähiger. Belastungen werfen uns nicht mehr so leicht aus der Bahn.
Perspektivwechsel: Wir erkennen, dass Gedanken nur Gedanken sind – keine absolute Wahrheit. Diese Erkenntnis nimmt ihnen oft ihre bedrohliche Macht.
Meditation bei Schmerzen
Chronische Schmerzen sind eine enorme Belastung. Interessanterweise kann Meditation helfen – nicht indem sie Schmerzen “wegzaubert”, sondern indem sie unsere Beziehung zum Schmerz verändert.
Schmerz besteht aus zwei Komponenten: der physischen Empfindung und unserer emotionalen Bewertung. Oft verstärken wir Schmerzen durch Anspannung, Angst und Ablehnung. “Es darf nicht sein”, “Es wird nie besser”, “Ich halte das nicht aus” – solche Gedanken intensivieren das Leiden.
In der Meditation lernen wir, Schmerz als Empfindung zu beobachten, ohne sofort in Kampfmodus zu gehen:
- Wo genau spüre ich den Schmerz?
- Wie fühlt er sich an? Stechend, dumpf, brennend?
- Ist er konstant oder pulsierend?
- Verändert er sich im Laufe der Beobachtung?
Diese neugierige, nicht-wertende Haltung kann die Schmerzintensität reduzieren. Studien zeigen, dass Meditation besonders bei Rückenschmerzen, Migräne und Fibromyalgie wirksam ist.
Wichtig: Meditation ersetzt keine medizinische Behandlung, sondern ergänzt sie. Bei neuen oder unklaren Schmerzen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Meditation und Trauer
Trauer ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion auf Verlust. Dennoch kann sie überwältigend sein – ein Sturm aus Emotionen, der uns den Boden unter den Füßen wegzureißen scheint.
Mit Meditation kann man Trauer nicht wegzaubern, aber sie kann einen sicheren Raum schaffen, in dem wir unseren Gefühlen begegnen können:
Präsenz statt Vermeidung: Meditation lehrt uns, schwierige Gefühle auszuhalten, ohne sie wegzudrücken oder uns in ihnen zu verlieren. Wir lernen: “Ich fühle Trauer” statt “Ich bin meine Trauer”.
Selbstmitgefühl: Gerade in schweren Zeiten sind wir oft hart zu uns selbst. Loving-Kindness-Meditation kann helfen, uns mit Freundlichkeit zu begegnen.
Akzeptanz: Meditation fördert die Fähigkeit, das Unveränderliche anzunehmen – nicht resigniert, sondern mit einer Art weiser Gelassenheit.
Körperverankerung: Trauer manifestiert sich oft körperlich – als Enge in der Brust, Schwere in den Gliedern. Body-Scan-Meditationen helfen, diese Empfindungen wahrzunehmen und zu durchatmen.
Auch hier gilt: Meditation ist kein Ersatz für Trauerbegleitung oder Psychotherapie, kann aber eine wertvolle Ergänzung sein.
Wie fange ich an? Praktische Tipps
Klein beginnen: Fünf Minuten täglich (gleich nach dem Aufwachen, oder vor dem Schlafengehen) sind besser als einmal pro Woche eine Stunde. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer.
Feste Zeit etablieren: Meditation funktioniert am besten als Routine – etwa morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen.
Komfortabel sitzen: Man muss nicht im Lotussitz meditieren. Ein Stuhl mit geradem Rücken ist völlig ausreichend, oder auch liegend!
Sanft mit sich sein: Gedankenwandern ist normal. Der “Muskel” der Aufmerksamkeit wird stärker, indem wir immer wieder zurückkehren – ohne Selbstkritik.
Unterstützung nutzen: Angeleitete Meditationen können gerade am Anfang sehr hilfreich sein.
Meine persönliche Empfehlung: Insight Timer
In meiner Praxis empfehle ich regelmäßig die App **Insight Timer**. Warum? Sie bietet eine enorme Vielfalt – über 100.000 geführte Meditationen in verschiedenen Sprachen, zu unterschiedlichen Themen und für alle Erfahrungsstufen.
Besonders gerne mag ich:
- Die große Auswahl an deutschsprachigen Meditationen
- Geführte Kurse für Einsteiger (in der Bezahlversion)
- Timer für stille Meditation mit verschiedenen Glockenklängen
- Die Möglichkeit, eigene Favoriten zu speichern
- Kostenfreie Basisversion mit bereits umfangreichem Angebot
- Austausch mit anderen Menschen, es gibt auch Gruppen, die gemeinsam an bestimmten Tagen meditieren
- Life events, die man nutzen kann
Die App nimmt die Ausrede “Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll”. Einfach herunterladen, eine kurze Meditation auswählen – und loslegen.
Fazit: Ein Geschenk an sich selbst
Meditation ist keine schnelle Lösung für alle Lebensprobleme. Sie ist eher wie das tägliche Zähneputzen für den Geist – eine liebevolle Hygiene, die langfristig Früchte trägt.
Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig: Meditation verändert Gehirn, Körper und unser Erleben. Sie macht uns nicht zu perfekten, immer gelassenen Menschen. Aber sie schenkt uns Momente der Ruhe, hilft uns, bewusster zu leben, und gibt uns Werkzeuge an die Hand, um mit Stress, Schmerz und schwierigen Emotionen umzugehen.
Probiere es aus! Fünf Minuten heute Abend. Vielleicht überrascht es dich, was in dieser kurzen Zeit geschehen kann.
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*Dieser Blogbeitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an qualifizierte Fachpersonen.*
Psychosomatik, wenn der Körper um Hilfe schreit
Wie chronischer Stress unser Nervensystem und unseren Schlaf beeinflusst
Kennst du das Gefühl, wenn du abends todmüde ins Bett fällst, aber deine Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen? Mir ging es sehr lange so (und auch jetzt noch immer wieder). Das Gehirn läuft auf Hochtouren, wenn du schlafen willst.
Oder kennst du diesen Zustand: dein Körper fühlt sich an, als hättest du einen Marathon hinter dir, obwohl du den ganzen Tag nur am Schreibtisch gesessen hast? Todmüde, Schmerzen, völlig ausgepowert.
Willkommen in der Welt der Psychosomatik – wo Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind und als Einheit betrachtet werden müssen.
Was ist Psychosomatik eigentlich?
Psychosomatik beschreibt das Zusammenspiel zwischen unserer Psyche und unserem Körper. Lange Zeit wurden körperliche Beschwerden und seelisches Befinden getrennt voneinander betrachtet. Heute wissen wir: Das ist eine künstliche Trennung.
Aus ganzheitlicher Sicht bilden Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit. Jede Ebene beeinflusst die anderen: Ein Gedanke kann körperliche Reaktionen auslösen, körperliche Verspannungen können unsere Stimmung beeinflussen, und seelische Belastungen manifestieren sich in physischen Symptomen.
Unser Gehirn, unser Nervensystem, unsere Organe und unser energetisches System kommunizieren ständig miteinander – und chronischer Stress kann dieses fein abgestimmte Gleichgewicht gehörig durcheinanderbringen.
Die Stressreaktion: Wenn der Körper auf Hochtouren läuft
Stell dir vor, dein zentrales Nervensystem ist wie eine hochsensible Alarmanlage. In der Steinzeit hat uns diese Anlage das Überleben gesichert: Gefahr erkannt, Stresshormone ausgeschüttet, Körper in Alarmbereitschaft versetzt – Kampf oder Flucht.
Das Problem? Unser Nervensystem kann nicht unterscheiden zwischen einem hungrigen Säbelzahntiger und einem überfüllten email Postfach oder deinem Chef und nervigen Kollegen.
Was passiert im Körper bei Stress?
Wenn wir Stress erleben, springt unser sympathisches Nervensystem an – der "Gas-Geber" unseres autonomen Nervensystems. Dabei werden vor allem zwei Stresshormone ausgeschüttet:
Adrenalin sorgt für die Sofortreaktion: Dein Herzschlag beschleunigt sich, deine Muskeln spannen sich an, deine Atmung wird schneller. Energie wird mobilisiert, und weniger wichtige Funktionen wie Verdauung werden heruntergefahren. Du könntest losrennen, kämpfen, flüchten.
Cortisol, das "Langzeit-Stresshormon", hält diesen Zustand aufrecht. Es erhöht den Blutzuckerspiegel, unterdrückt das Immunsystem und hält den Körper in ständiger Bereitschaft.
Das ist eigentlich genial – aber nur für kurze Zeit. Das Problem beginnt, wenn der Stress chronisch wird.
Chronischer Stress: Wenn der Notfallmodus zum Dauerzustand wird
Bei chronischem Stress bleibt die Alarmanlage quasi permanent eingeschaltet. Dein Körper befindet sich in einem Zustand ständiger Anspannung, ohne ausreichende Erholungsphasen. Die Folgen sind weitreichend:
Das zentrale Nervensystem läuft auf Hochtouren: Der präfrontale Cortex, zuständig für rationales Denken und Entscheidungen, wird weniger durchblutet. Gleichzeitig ist die Amygdala, unser "Angstzentrum", überaktiv. Das erklärt, warum wir unter chronischem Stress oft gereizt, ängstlich oder "neben uns" sind.
Der Körper reagiert: Verspannungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, erhöhter Blutdruck, ein geschwächtes Immunsystem – die Liste ist lang. Der Körper ist einfach nicht dafür gemacht, permanent im Überlebensmodus zu sein.
Das Hormonsystem gerät aus dem Gleichgewicht: Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann zu Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und – besonders relevant – zu massiven Schlafstörungen führen.
Messbar ist dies in Labortests: ein Cortisol-Tagesprofil im Speichel, oder ein Neurostress-Profil im Urin (Dopamin, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin), Melatonin, Amylase im Speichel. All diese können Hinweise geben auf eine Dysbalance in deinem Nervensystem.
Schlaflosigkeit: Wenn die Nacht zu einem einzigen Albtraum wird
Hier schließt sich der Kreis auf besonders tückische Weise. Chronischer Stress führt zu Schlafproblemen – und Schlafmangel verstärkt wiederum die Stressreaktion. Ein Teufelskreis entsteht. 2019 war ich über viele Wochen so gefangen in dieser Schleife- täglich grüsst das Murmeltier- dass ich viele Nächte wie in einer Trance war, und oft nur 2-3 Stunden Schlaf hatte. Bis ich nicht mehr konnte.
Warum Stress den Schlaf raubt
Unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch verschiedene Faktoren reguliert, darunter das Hormon Melatonin. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel stören diesen natürlichen Rhythmus. Normalerweise sollte Cortisol morgens hoch und abends niedrig sein. Bei chronischem Stress bleibt es auch abends erhöht – das Signal "Zeit zum Schlafen" kommt nicht an.
Hinzu kommt: Ein überaktives Nervensystem macht es unmöglich, in den parasympathischen Modus zu wechseln – den "Ruhe-und-Verdauungs-Modus", den wir zum Einschlafen brauchen. Die Gedanken kreisen, das Herz rast vielleicht noch, die Muskeln sind angespannt. An Schlaf ist nicht zu denken. Man wälzt sich im Bett.
Die Folgen von Schlafmangel
Schlaf ist nicht nur Erholung – er ist essentiell für zahlreiche körperliche und psychische Prozesse:
Fehlt dieser Schlaf, verstärken sich die stressbedingten Symptome: Die Konzentration lässt nach, es kann zu demenzartigen Zuständen kommen, die Stimmung sinkt, die Schmerzempfindlichkeit steigt, das Immunsystem schwächelt.
Der Körper hat keine Chance zur Regeneration.
Wenn die Seele durch den Körper spricht
In der Ganzheitsmedizin verstehen wir den Körper als Spiegel unserer inneren Prozesse. Chronischer Stress und Schlafmangel sind nicht nur neurologische oder hormonelle Phänomene – sie betreffen den ganzen Menschen auf allen Ebenen seines Seins.
Wenn die Seele nicht gehört wird, spricht der Körper. Die Symptome sind dabei keine "Fehlfunktionen", sondern wichtige Botschaften, die uns auf Ungleichgewichte hinweisen. Jedes Organ, jedes System hat dabei auch eine emotionale und seelische Entsprechung:
Herz-Kreislauf-System: Bluthochdruck, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – oft verbunden mit Themen wie Liebe, Lebensfreude und dem "Herzen folgen"
Muskel System: Verspannungen besonders im Nacken und Rücken, Spannungskopfschmerzen, Migräne, Kieferpressen (Bruxismus) – häufig Ausdruck von unterdrücktem Ärger, übermäßigem "Durchhalten müssen" oder dem Gefühl, schwere Lasten tragen zu müssen
Verdauungssystem: Reizdarmsyndrom, Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung – oft verbunden mit Themen des "Nicht-Verdauen-Könnens" von Lebensumständen oder Emotionen. Hier spielt dann noch der Neurotransmitter (Botenstoff des Nervensystems) Histamin ein wichtige Rolle!
Immunsystem: Erhöhte Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung, Verschlechterung oder plötzliches Auftreten von diversen Autoimmunerkrankungen – kann auf mangelnde Abgrenzung oder einen Kampf gegen sich selbst hinweisen
Haut: Neurodermitis-Schübe, Psoriasis, Akne, Hautausschläge – die Haut als Grenze zur Außenwelt spiegelt oft Abgrenzungsthemen wider
Hormonsystem: Zyklusstörungen, keine Lust auf Sex, Schilddrüsenprobleme – häufig verbunden mit dem Verlust der eigenen Rhythmen und der Balance zwischen Geben und Nehmen
Raus aus dem Teufelskreis: Der ganzheitliche Weg zur Heilung
Die gute Nachricht: Der Mensch verfügt über erstaunliche Selbstheilungskräfte, wenn wir auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – ansetzen und das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen.
Auf der körperlichen Ebene:
Auf der seelischen Ebene:
Ganzheitliche Unterstützung: Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Kombination verschiedener Ansätze hilfreich sein: klassische Medizin, Psychotherapie, Naturheilkundliche Verfahren und Präparate, Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie oder energetische Verfahren. Wichtig ist, den individuellen Weg zu finden, der zu dir und deiner Situation passt.
Der Körper als weiser Lehrer
Psychosomatische Beschwerden sind keine Einbildung – sie sind real und verdienen es, ernst genommen zu werden. Dein Körper ist nicht dein Feind, sondern ein weiser Lehrer, der dir wichtige Botschaften über dein Leben und deine Bedürfnisse sendet.
In der Ganzheitsmedizin sehen wir Symptome nicht als Störungen, die es zu unterdrücken gilt, sondern als Wegweiser zu tieferliegenden Ungleichgewichten. Chronischer Stress und Schlaflosigkeit sind keine Bagatellen, sondern ernsthafte Signale, dass auf einer oder mehreren Ebenen – körperlich, mental oder seelisch – etwas aus der Balance geraten ist.
Die Zusammenhänge zwischen Stress, dem zentralen Nervensystem, Schlaf und körperlichen Symptomen zu verstehen, ist der erste Schritt zur Heilung. Der zweite ist, auf allen Ebenen anzusetzen und wieder in Kontakt mit dir selbst zu kommen – mit deinem Körper, deinen Gedanken, deinen Emotionen und deiner inneren Weisheit.
Wahre Heilung geschieht, wenn wir nicht nur Symptome behandeln, sondern den ganzen Menschen mit all seinen Ebenen in den Blick nehmen. Wenn wir lernen, die Sprache unseres Körpers zu verstehen und wieder in Einklang mit uns selbst zu kommen, können wir aus dem Teufelskreis ausbrechen und zu echter Gesundheit und Lebendigkeit finden.
Gerne schaue ich mit dir deine Situation an, welche Tests für dich sinnvoll sind, und gebe dir eine Therapie an die Hand, die dir hilft, aus dem Teufelskreis zu entfliehen.
Hier kannst du einen Termin mit mir buchen
Buchtipps: Mein Körper, Barometer der Seele oder Der Schlüssel zur Selbstbefreiung oder Krankheit als Symbol
Kennst du das Gefühl, wenn du abends todmüde ins Bett fällst, aber deine Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen? Mir ging es sehr lange so (und auch jetzt noch immer wieder). Das Gehirn läuft auf Hochtouren, wenn du schlafen willst.
Oder kennst du diesen Zustand: dein Körper fühlt sich an, als hättest du einen Marathon hinter dir, obwohl du den ganzen Tag nur am Schreibtisch gesessen hast? Todmüde, Schmerzen, völlig ausgepowert.
Willkommen in der Welt der Psychosomatik – wo Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind und als Einheit betrachtet werden müssen.
Was ist Psychosomatik eigentlich?
Psychosomatik beschreibt das Zusammenspiel zwischen unserer Psyche und unserem Körper. Lange Zeit wurden körperliche Beschwerden und seelisches Befinden getrennt voneinander betrachtet. Heute wissen wir: Das ist eine künstliche Trennung.
Aus ganzheitlicher Sicht bilden Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit. Jede Ebene beeinflusst die anderen: Ein Gedanke kann körperliche Reaktionen auslösen, körperliche Verspannungen können unsere Stimmung beeinflussen, und seelische Belastungen manifestieren sich in physischen Symptomen.
Unser Gehirn, unser Nervensystem, unsere Organe und unser energetisches System kommunizieren ständig miteinander – und chronischer Stress kann dieses fein abgestimmte Gleichgewicht gehörig durcheinanderbringen.
Die Stressreaktion: Wenn der Körper auf Hochtouren läuft
Stell dir vor, dein zentrales Nervensystem ist wie eine hochsensible Alarmanlage. In der Steinzeit hat uns diese Anlage das Überleben gesichert: Gefahr erkannt, Stresshormone ausgeschüttet, Körper in Alarmbereitschaft versetzt – Kampf oder Flucht.
Das Problem? Unser Nervensystem kann nicht unterscheiden zwischen einem hungrigen Säbelzahntiger und einem überfüllten email Postfach oder deinem Chef und nervigen Kollegen.
Was passiert im Körper bei Stress?
Wenn wir Stress erleben, springt unser sympathisches Nervensystem an – der "Gas-Geber" unseres autonomen Nervensystems. Dabei werden vor allem zwei Stresshormone ausgeschüttet:
Adrenalin sorgt für die Sofortreaktion: Dein Herzschlag beschleunigt sich, deine Muskeln spannen sich an, deine Atmung wird schneller. Energie wird mobilisiert, und weniger wichtige Funktionen wie Verdauung werden heruntergefahren. Du könntest losrennen, kämpfen, flüchten.
Cortisol, das "Langzeit-Stresshormon", hält diesen Zustand aufrecht. Es erhöht den Blutzuckerspiegel, unterdrückt das Immunsystem und hält den Körper in ständiger Bereitschaft.
Das ist eigentlich genial – aber nur für kurze Zeit. Das Problem beginnt, wenn der Stress chronisch wird.
Chronischer Stress: Wenn der Notfallmodus zum Dauerzustand wird
Bei chronischem Stress bleibt die Alarmanlage quasi permanent eingeschaltet. Dein Körper befindet sich in einem Zustand ständiger Anspannung, ohne ausreichende Erholungsphasen. Die Folgen sind weitreichend:
Das zentrale Nervensystem läuft auf Hochtouren: Der präfrontale Cortex, zuständig für rationales Denken und Entscheidungen, wird weniger durchblutet. Gleichzeitig ist die Amygdala, unser "Angstzentrum", überaktiv. Das erklärt, warum wir unter chronischem Stress oft gereizt, ängstlich oder "neben uns" sind.
Der Körper reagiert: Verspannungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, erhöhter Blutdruck, ein geschwächtes Immunsystem – die Liste ist lang. Der Körper ist einfach nicht dafür gemacht, permanent im Überlebensmodus zu sein.
Das Hormonsystem gerät aus dem Gleichgewicht: Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann zu Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und – besonders relevant – zu massiven Schlafstörungen führen.
Messbar ist dies in Labortests: ein Cortisol-Tagesprofil im Speichel, oder ein Neurostress-Profil im Urin (Dopamin, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin), Melatonin, Amylase im Speichel. All diese können Hinweise geben auf eine Dysbalance in deinem Nervensystem.
Schlaflosigkeit: Wenn die Nacht zu einem einzigen Albtraum wird
Hier schließt sich der Kreis auf besonders tückische Weise. Chronischer Stress führt zu Schlafproblemen – und Schlafmangel verstärkt wiederum die Stressreaktion. Ein Teufelskreis entsteht. 2019 war ich über viele Wochen so gefangen in dieser Schleife- täglich grüsst das Murmeltier- dass ich viele Nächte wie in einer Trance war, und oft nur 2-3 Stunden Schlaf hatte. Bis ich nicht mehr konnte.
Warum Stress den Schlaf raubt
Unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch verschiedene Faktoren reguliert, darunter das Hormon Melatonin. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel stören diesen natürlichen Rhythmus. Normalerweise sollte Cortisol morgens hoch und abends niedrig sein. Bei chronischem Stress bleibt es auch abends erhöht – das Signal "Zeit zum Schlafen" kommt nicht an.
Hinzu kommt: Ein überaktives Nervensystem macht es unmöglich, in den parasympathischen Modus zu wechseln – den "Ruhe-und-Verdauungs-Modus", den wir zum Einschlafen brauchen. Die Gedanken kreisen, das Herz rast vielleicht noch, die Muskeln sind angespannt. An Schlaf ist nicht zu denken. Man wälzt sich im Bett.
Die Folgen von Schlafmangel
Schlaf ist nicht nur Erholung – er ist essentiell für zahlreiche körperliche und psychische Prozesse:
- Während des Schlafs werden Giftstoffe aus dem Gehirn abtransportiert
- Erinnerungen werden konsolidiert
- Das Immunsystem regeneriert sich
- Hormone werden reguliert
- Gewebe wird repariert
Fehlt dieser Schlaf, verstärken sich die stressbedingten Symptome: Die Konzentration lässt nach, es kann zu demenzartigen Zuständen kommen, die Stimmung sinkt, die Schmerzempfindlichkeit steigt, das Immunsystem schwächelt.
Der Körper hat keine Chance zur Regeneration.
Wenn die Seele durch den Körper spricht
In der Ganzheitsmedizin verstehen wir den Körper als Spiegel unserer inneren Prozesse. Chronischer Stress und Schlafmangel sind nicht nur neurologische oder hormonelle Phänomene – sie betreffen den ganzen Menschen auf allen Ebenen seines Seins.
Wenn die Seele nicht gehört wird, spricht der Körper. Die Symptome sind dabei keine "Fehlfunktionen", sondern wichtige Botschaften, die uns auf Ungleichgewichte hinweisen. Jedes Organ, jedes System hat dabei auch eine emotionale und seelische Entsprechung:
Herz-Kreislauf-System: Bluthochdruck, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – oft verbunden mit Themen wie Liebe, Lebensfreude und dem "Herzen folgen"
Muskel System: Verspannungen besonders im Nacken und Rücken, Spannungskopfschmerzen, Migräne, Kieferpressen (Bruxismus) – häufig Ausdruck von unterdrücktem Ärger, übermäßigem "Durchhalten müssen" oder dem Gefühl, schwere Lasten tragen zu müssen
Verdauungssystem: Reizdarmsyndrom, Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung – oft verbunden mit Themen des "Nicht-Verdauen-Könnens" von Lebensumständen oder Emotionen. Hier spielt dann noch der Neurotransmitter (Botenstoff des Nervensystems) Histamin ein wichtige Rolle!
Immunsystem: Erhöhte Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung, Verschlechterung oder plötzliches Auftreten von diversen Autoimmunerkrankungen – kann auf mangelnde Abgrenzung oder einen Kampf gegen sich selbst hinweisen
Haut: Neurodermitis-Schübe, Psoriasis, Akne, Hautausschläge – die Haut als Grenze zur Außenwelt spiegelt oft Abgrenzungsthemen wider
Hormonsystem: Zyklusstörungen, keine Lust auf Sex, Schilddrüsenprobleme – häufig verbunden mit dem Verlust der eigenen Rhythmen und der Balance zwischen Geben und Nehmen
Raus aus dem Teufelskreis: Der ganzheitliche Weg zur Heilung
Die gute Nachricht: Der Mensch verfügt über erstaunliche Selbstheilungskräfte, wenn wir auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – ansetzen und das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen.
Auf der körperlichen Ebene:
- Schlafhygiene verbessern: Feste Schlafenszeiten, abgedunkeltes und kühles Schlafzimmer, Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen ausschalten
- Bewegung – aber achtsam: Moderate Bewegung wie Spaziergänge in der Natur, Yin-Yoga oder Qi Gong helfen, Stresshormone abzubauen und die Energie wieder zum Fließen zu bringen.
- Gerade in einer akuten Stress-Situation wäre die erste und wichtigste Reaktion: Rausgehen, Laufen, einmal um den Block oder besser in die Natur raus. Dies baut sofort den akut erhöhten Cortisolspiegel ab!
- Ernährung: Vitalstoffreiche, entzündungshemmende Nahrung (Ketogene Ernährung!) unterstützt das Nervensystem und die Regeneration
- Das Nervensystem regulieren: Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Meditation helfen, den parasympathischen Modus zu aktivieren
- Achtsamkeit üben: Bewusste (Atem-)Pausen im Alltag, um aus dem Autopiloten auszusteigen
- Gedankenmuster erkennen: Welche Glaubenssätze und Überzeugungen treiben den Stress an? Hier lohnt sich auch eine Kinesiologische Austestung der Glaubenssätze
- Tipp: die App Insight Timer, die ich selbst seit vielen Jahren nutze! Diese ist selbst in der kostenfreien Version eine grosse Hilfe.
Auf der seelischen Ebene:
- Emotionen zulassen: Unterdrückte Gefühle finden ihren Weg in den Körper – ihnen Raum zu geben ist essentiell
- Die Botschaft verstehen: Was will mir mein Körper sagen? Welche Lebensthemen spiegeln sich in den Symptomen?
- Sinn und Ausrichtung finden: Leben wir im Einklang mit unseren Werten und unserer inneren Wahrheit?
Ganzheitliche Unterstützung: Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Kombination verschiedener Ansätze hilfreich sein: klassische Medizin, Psychotherapie, Naturheilkundliche Verfahren und Präparate, Akupunktur, Homöopathie, Osteopathie oder energetische Verfahren. Wichtig ist, den individuellen Weg zu finden, der zu dir und deiner Situation passt.
Der Körper als weiser Lehrer
Psychosomatische Beschwerden sind keine Einbildung – sie sind real und verdienen es, ernst genommen zu werden. Dein Körper ist nicht dein Feind, sondern ein weiser Lehrer, der dir wichtige Botschaften über dein Leben und deine Bedürfnisse sendet.
In der Ganzheitsmedizin sehen wir Symptome nicht als Störungen, die es zu unterdrücken gilt, sondern als Wegweiser zu tieferliegenden Ungleichgewichten. Chronischer Stress und Schlaflosigkeit sind keine Bagatellen, sondern ernsthafte Signale, dass auf einer oder mehreren Ebenen – körperlich, mental oder seelisch – etwas aus der Balance geraten ist.
Die Zusammenhänge zwischen Stress, dem zentralen Nervensystem, Schlaf und körperlichen Symptomen zu verstehen, ist der erste Schritt zur Heilung. Der zweite ist, auf allen Ebenen anzusetzen und wieder in Kontakt mit dir selbst zu kommen – mit deinem Körper, deinen Gedanken, deinen Emotionen und deiner inneren Weisheit.
Wahre Heilung geschieht, wenn wir nicht nur Symptome behandeln, sondern den ganzen Menschen mit all seinen Ebenen in den Blick nehmen. Wenn wir lernen, die Sprache unseres Körpers zu verstehen und wieder in Einklang mit uns selbst zu kommen, können wir aus dem Teufelskreis ausbrechen und zu echter Gesundheit und Lebendigkeit finden.
Gerne schaue ich mit dir deine Situation an, welche Tests für dich sinnvoll sind, und gebe dir eine Therapie an die Hand, die dir hilft, aus dem Teufelskreis zu entfliehen.
Hier kannst du einen Termin mit mir buchen
Buchtipps: Mein Körper, Barometer der Seele oder Der Schlüssel zur Selbstbefreiung oder Krankheit als Symbol
Dopaminfasten II Zusammenfassung
Dopamin-Detox: Verstehen und Managen von HDA (High Dopamine Activities)
Was ist Dopamin?
Dopamin ist ein Neurotransmitter im Gehirn, der eine zentrale Rolle bei Motivation, Freude und
Belohnung spielt.
Obwohl Dopamin für eine gesunde Funktion unerlässlich ist, kann eine übermäßige Stimulation zu
Abhängigkeit und negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit führen.
Beispiele für Aktivitäten mit hohem Dopamin-Ausstoß (HDA):
- Soziale Medien
- Scrollen am Smartphone
- Kurze, schnell geschnittene Videos
- Gaming
- Drogen- oder Alkoholkonsum
- Benachrichtigungen
- Online-Postings für Likes und Bestätigung
- Sex
- Zuckerkonsum
Beispiele für Aktivitäten mit niedrigem Dopamin-Ausstoß (LDA) (Low Dopamine Activities) :
Aktivitäten, die Geduld und längere Aufmerksamkeit erfordern, z. B.:
Lesen, einen langen Film schauen, Kunst schaffen, Stricken, draußen arbeiten, Sport, kreatives
Schreiben, Aufräumen
Häufige Dopamin-Störfaktoren:
Substanzen:
Alkohol, verschreibungspflichtige Stimulanzien, Kokain, Methamphetamin, Nikotin,
Opiate, Zucker, Casein, Barbiturate, Cannabis
Digital:
Textnachrichten, soziale Medien, Videospiele, übermäßige Smartphone-Nutzung
Symptome einer übermäßigen Dopamin-Exposition:
Psychisch:
Angst, Depression, Konzentrationsstörungen, Aggressivität
Verhalten:
Erhöhter Stress, Schlaflosigkeit
Warnzeichen für übermäßige Dopamin-Aktivität:
- Zwang, HDAs trotz negativer Folgen auszuführen
- Vernachlässigung von Pflichten
- Stimmungsschwankungen
- Sozialer Rückzug
- Schlafprobleme
- Körperliche Beschwerden
- Angst & Depression
- Leistungsabfall
Erschreckende Statistiken:
- Durchschnittlich 2-4 Stunden Smartphone-Nutzung täglich
- 2600 Berührungen am Tag
- Zusammenhang mit Angst, Depression, ADHS, Autounfällen
- Bis zu 15 Jahre Lebenszeitverlust durch exzessive Nutzung!!
Die Suchtgefahr von sozialen Medien und Gaming:
- KI-Algorithmen fördern Sucht
- Falsche soziale Belohnung
- Selbst negative Interaktionen fördern Dopaminausstoß
Wann ist ein Dopamin-Detox sinnvoll?
Wenn du wenig Freude an "langsamen" reizarmen Tätigkeiten hast, dich schwer konzentrieren kannst oder
häufig zu digitalen Reizen greifst.
Ziel des Dopamin-Detox:
Pausieren von HDA, Integration von LDA, Wiederherstellung der Dopamin-Rezeptoren. Rückkehr zu
HDA langsam und geplant.
Strategien für den Dopamin-Detox:
- Technische Hilfen (Opal, Light Phone, Timer, App-Löschung)
- Verhalten (digitale Pausen, screenfreie Zonen)
- Dauer: 3 Tage bis 3 Monate, Start mit 2 Wochen
- Rückführung der LDAs einplanen
- Professionelle Begleitung (z. B. CBT, Psychotherapie)
- Entzugssymptome beachten
Weitere Tipps:
- Bewusstes Verhalten, feste Nutzungszeiten
- Bewegung
- Hobbys ohne Bildschirm
- Echte soziale Kontakte
- Digital Detox-Zeiten
- Gute Schlafhygiene
- Gesunde Ernährung
- Meditation, Achtsamkeit
- Therapie bei starker Abhängigkeit
Ausgewogenes Leben schaffen:
- HDAs begrenzen, LDAs stärken
- Phase 2: langfristige Umstellung mit Begleitung
Quellen: Harvard Science in the News, Sandstone Care, Psychiatric Times
(Zusammenfassung einer Amerikanischen Abhandlung)
Was ist Dopamin?
Dopamin ist ein Neurotransmitter im Gehirn, der eine zentrale Rolle bei Motivation, Freude und
Belohnung spielt.
Obwohl Dopamin für eine gesunde Funktion unerlässlich ist, kann eine übermäßige Stimulation zu
Abhängigkeit und negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit führen.
Beispiele für Aktivitäten mit hohem Dopamin-Ausstoß (HDA):
- Soziale Medien
- Scrollen am Smartphone
- Kurze, schnell geschnittene Videos
- Gaming
- Drogen- oder Alkoholkonsum
- Benachrichtigungen
- Online-Postings für Likes und Bestätigung
- Sex
- Zuckerkonsum
Beispiele für Aktivitäten mit niedrigem Dopamin-Ausstoß (LDA) (Low Dopamine Activities) :
Aktivitäten, die Geduld und längere Aufmerksamkeit erfordern, z. B.:
Lesen, einen langen Film schauen, Kunst schaffen, Stricken, draußen arbeiten, Sport, kreatives
Schreiben, Aufräumen
Häufige Dopamin-Störfaktoren:
Substanzen:
Alkohol, verschreibungspflichtige Stimulanzien, Kokain, Methamphetamin, Nikotin,
Opiate, Zucker, Casein, Barbiturate, Cannabis
Digital:
Textnachrichten, soziale Medien, Videospiele, übermäßige Smartphone-Nutzung
Symptome einer übermäßigen Dopamin-Exposition:
Psychisch:
Angst, Depression, Konzentrationsstörungen, Aggressivität
Verhalten:
Erhöhter Stress, Schlaflosigkeit
Warnzeichen für übermäßige Dopamin-Aktivität:
- Zwang, HDAs trotz negativer Folgen auszuführen
- Vernachlässigung von Pflichten
- Stimmungsschwankungen
- Sozialer Rückzug
- Schlafprobleme
- Körperliche Beschwerden
- Angst & Depression
- Leistungsabfall
Erschreckende Statistiken:
- Durchschnittlich 2-4 Stunden Smartphone-Nutzung täglich
- 2600 Berührungen am Tag
- Zusammenhang mit Angst, Depression, ADHS, Autounfällen
- Bis zu 15 Jahre Lebenszeitverlust durch exzessive Nutzung!!
Die Suchtgefahr von sozialen Medien und Gaming:
- KI-Algorithmen fördern Sucht
- Falsche soziale Belohnung
- Selbst negative Interaktionen fördern Dopaminausstoß
Wann ist ein Dopamin-Detox sinnvoll?
Wenn du wenig Freude an "langsamen" reizarmen Tätigkeiten hast, dich schwer konzentrieren kannst oder
häufig zu digitalen Reizen greifst.
Ziel des Dopamin-Detox:
Pausieren von HDA, Integration von LDA, Wiederherstellung der Dopamin-Rezeptoren. Rückkehr zu
HDA langsam und geplant.
Strategien für den Dopamin-Detox:
- Technische Hilfen (Opal, Light Phone, Timer, App-Löschung)
- Verhalten (digitale Pausen, screenfreie Zonen)
- Dauer: 3 Tage bis 3 Monate, Start mit 2 Wochen
- Rückführung der LDAs einplanen
- Professionelle Begleitung (z. B. CBT, Psychotherapie)
- Entzugssymptome beachten
Weitere Tipps:
- Bewusstes Verhalten, feste Nutzungszeiten
- Bewegung
- Hobbys ohne Bildschirm
- Echte soziale Kontakte
- Digital Detox-Zeiten
- Gute Schlafhygiene
- Gesunde Ernährung
- Meditation, Achtsamkeit
- Therapie bei starker Abhängigkeit
Ausgewogenes Leben schaffen:
- HDAs begrenzen, LDAs stärken
- Phase 2: langfristige Umstellung mit Begleitung
Quellen: Harvard Science in the News, Sandstone Care, Psychiatric Times
(Zusammenfassung einer Amerikanischen Abhandlung)
Dopaminfasten. Vegetatives Nervensystem
Hoher Dopaminspiegel, Stress & Trauma: Warum unser Belohnungssystem aus dem Ruder läuft – und was wir dagegen tun können
In einer Welt, in der alles jederzeit verfügbar ist – Unterhaltung, Zucker, Likes bei Instagram, Internetshopping – arbeitet unser Belohnungssystem auf Hochtouren. Stichwort: Dopamin. Dieser Neurotransmitter spielt eine Schlüsselrolle bei Motivation, Lust und Lernen. Doch zu viel, zu oft, zur falschen Zeit – und die Balance kippt. Besonders in Verbindung mit Stress und unverarbeiteten Traumata kann das langfristige Folgen haben – bei Erwachsenen und v.a. bei Kindern.
Hier erfährst du, was passiert, wenn Dopamin dauerhaft hochgefahren ist, warum das ein Problem ist, wie Stress und Trauma das Ganze verstärken – und welche Maßnahmen helfen, wieder zur Ruhe zu kommen.
Was ist Dopamin – und warum ist es so machtvoll?
Dopamin ist kein reines Glückshormon, wie oft gesagt wird. Es ist das Antreibermolekül. Es signalisiert dem Gehirn: Da gibt’s was zu holen. Ob es um ein Stück Schokolade geht, den nächsten Netflix-Kick oder ein Like auf Instagram – alles, was eine Belohnung verspricht, schüttet Dopamin aus.
Das Problem: Unser modernes Leben ist ein Dopamin-Feuerwerk. Dauerhafte Stimulation führt zu:
• Toleranzbildung (man braucht mehr, um denselben Effekt zu spüren),
• Antriebslosigkeit (alles ohne Kick wirkt langweilig),
• Impulsverhalten (ständig auf der Suche nach dem nächsten Reiz),
• und im Extremfall zu Suchtverhalten – nicht nur bei Substanzen, sondern auch bei Handy, Gaming, Essen, Social Media.
Stress + Trauma = Dopaminsystem im Ausnahmezustand
Chronischer Stress verändert das Gehirn. Das limbische System, besonders die Amygdala (Angstzentrum), feuert mehr, der präfrontale Kortex (Zentrale für Selbstkontrolle) wird gehemmt. Traumatische Erfahrungen verstärken diesen Effekt massiv.
Folgen:
• Das Gehirn sucht ständig nach Entlastung – oft über externe Reize.
• Selbstregulation ist erschwert.
• Das Belohnungssystem wird überempfindlich (z.B. starkes Verla gen nach Zucker oder Dopamin-Kicks).
• Bei Kindern zeigt sich das in Reizbarkeit, ADHS-ähnlichem Verhalten, sozialem Rückzug oder Aggression.
Was ist "Dopaminfasten" – und funktioniert das überhaupt?
Dopaminfasten heißt nicht, dass man gar kein Dopamin mehr produziert – das geht so gar nicht. Es geht darum, überstimulierende Reize zu reduzieren, damit das System sich neu kalibrieren kann. Der Begriff kommt aus dem Silicon Valley, ist aber sinnvoll – wenn er nicht falsch verstanden wird.
Ziele des Dopaminfastens:
• Reizschwelle senken (wieder Freude an einfachen Dingen empfinden),
• Impulsverhalten bremsen,
• Fokus und Selbstkontrolle stärken,
• emotionale Regulation verbessern.
Wie sieht Dopaminfasten konkret aus? Maßnahmen für Erwachsene und Kinder
Für Erwachsene:
1. Digital Detox – Handyzeiten klar begrenzen, Notifications ausschalten, soziale Medien bewusst nutzen.
2. Langweilen zulassen – keine Dauerbeschallung durch Podcasts, Musik, YouTube.
3. Reize minimieren – keine Dauer-Snacks, keine Multitasking-Unterhaltung.
4. Achtsamkeitstraining – z.B. Meditation, Journaling/Tagebuch, Atemübungen, Stoizismus praktizieren.
5. Reizarme Aktivitäten fördern – Spaziergänge in der Natur, Lesen, Handarbeit, Musik hören ohne Handy, Gärtnern…
6. Bewusstes Belohnen – z.B. erst nach einer erledigten Aufgabe ein Video schauen, Kaffee trinken oder ein Stück Schoggi essen.
Für Kinder (und natürlich auch für Erwachsene!):
1. Bildschirmzeit regulieren – klare Regeln, möglichst keine Geräte unter 3 Jahren, und kein Dauerbespaßungsmodus.
2. Freies Spiel statt "Entertainment" – keine fertigen Reize, sondern selbst gestalten (Lego, draußen spielen, malen, kneten, basteln..).
3. Emotionale Begleitung – Gefühle benennen, Trauma anerkennen, nicht ablenken. EFT kann dabei sehr gut helfen!
4. Rituale der Ruhe – feste Schlafzeiten, gemeinsames Vorlesen, ruhige Übergänge. Generell Rituale, auch z.b. das gemeinsame Essen an einem Tisch zu festen Zeiten
5. Langeweile aushalten üben – Kinder müssen nicht dauerbeschäftigt sein. Das Gehirn wächst im Leerlauf/in der Ruhe.
6. Zuckerreduktion/Ernährungsumstellung: Zucker befeuert das Belohnungssyytem. Daher auf eine ausgewogene vollwertige Ernährung achten!
7. Brain Gym- Übungen: Überkreuzbewegungen, liegende 8 Übung, u.a.
8. beidhändiges synchrones Zeichnen/nachfahren von Formen:

(hier gibt es fertige Folien, aber man kann auch einfach ein Blatt Papier in zwei Hälften unterteilen, und an der Mittellinie entlang spiegelverkehrt selbst Formen zeichnen)
Langfristig gilt: Dopamin braucht Balance, kein Entzug
Ein gesundes Belohnungssystem ist nicht reizlos, sondern ausgeglichen. Es geht darum, die Spitze zu glätten, nicht das Leben zu entleeren. Dauerstress, Traumata und ständige Reizüberflutung bringen das System aus dem Gleichgewicht – gezielte Maßnahmen können helfen, den Kurs wieder zu korrigieren.
Fazit:
• Dopamin ist nicht dein Feind – aber sein Übermaß kann uns stressen, erschöpfen und süchtig machen.
• Dopaminfasten ist kein Trend, sondern eine Strategie zur Selbstregulation – für Erwachsene wie Kinder.
• Es geht um bewusstes Leben statt Dauerstimulation – ein lohnender Weg zu mehr innerer Ruhe und echter Zufriedenheit.
Vegetatives Nervensystem. Ängste, Sorgen, Traumen
Das vegetative Nervensystem: Wenn Körper und Psyche im Alarmzustand sind
Unser vegetatives Nervensystem – auch autonomes Nervensystem genannt – steuert lebenswichtige Körperfunktionen, ohne dass wir bewusst eingreifen. Atmung, Herzschlag, Verdauung, Schweißproduktion – all das läuft automatisch. Doch wenn Angst, Stress oder Trauma ins Spiel kommen, schaltet dieses System blitzschnell auf Überlebensmodus: Fight, Flight oder Freeze.
Was ist das vegetative Nervensystem?
Das vegetative Nervensystem ist ein Teil des peripheren Nervensystems. Es hat zwei Hauptzweige:
Normalerweise arbeiten beide im Gleichgewicht. Doch bei Stress, Angst oder Trauma übernimmt oft der Sympathikus – mit spürbaren körperlichen Folgen.
Fight – Der Angriffszustand
Der Körper macht sich bereit zum Kämpfen. Typische Symptome:
Neurotransmitter im Spiel:
Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Diese Stresshormone steigern Energie und Konzentration. Der Körper steht unter Strom.
Flight – Die Fluchtreaktion
Das System bereitet sich auf Weglaufen vor:
Auch hier spielen Adrenalin und Noradrenalin eine zentrale Rolle. Zusätzlich kann Cortisol freigesetzt werden – ein Hormon, das den Körper auf längeren Stress vorbereitet.
Freeze – Der Erstarrungsmodus
Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind, schaltet das System in den „Totstell-Reflex“. Der Parasympathikus übernimmt auf extreme Weise:
Neurotransmitter und Hormone:
Hier ist Endorphin-Ausschüttung typisch – ein körpereigenes Schmerzmittel. Es betäubt, um den Schock zu überstehen.
Ängste, Sorgen, Traumata – wenn das System nicht mehr abschaltet
Eigentlich ist das autonome Nervensystem ein fein austariertes Alarmsystem. Doch bei chronischer Angst, dauerhaften Sorgen oder traumatischen Erlebnissen bleibt der Körper in einem der Überlebensmodi hängen.
Typische Begleitsymptome:
Was hilft dem Nervensystem?
Um das vegetative Nervensystem zu regulieren, braucht es gezielte Impulse:
Es lohnt sich auch, die Neurotransmitter im Labor testen zu lassen. Dies kann über den 2. Morgenurin bequem von zuhause aus geschehen. Testmaterial bekommst du bei mir in der Praxis!
Das vegetative Nervensystem ist ein sensibler Seismograph für unser inneres Erleben. Es reagiert auf Ängste, Stress und Traumata – oft bevor wir bewusst etwas merken. Wer versteht, wie die körperlichen Symptome mit alten Erfahrungen und Neurochemie zusammenhängen, kann Wege finden, dem Körper Sicherheit zu geben – und den eigenen inneren Alarm wieder auf Normalbetrieb zu stellen.
Kleine Übung :
Setze dich hin und überkreuze die Arme, sodass du dich selbst umarmst. Streiche mit den Händen die Arme hinunter. Spüre die Haut oder den Stoff deiner Kleidung. Spüre in deine Hände hinein, was spürst du? Achte auf deine Empfindungen. Nimm wahr- ist es kalt, warm, weich, ist Spannung da…
wie fühlt es sich für deine Arme an, wenn deine Hände über sie streichen? Beschreibe in Gedanken deine Empfindungen.
Dein Gehirn wird darauf eingehen und in eine Entspannung schalten.
Du kannst dich auch selbst noch hin- und herwiegen, wenn es sich für dich gut anfühlt.
Dann kannst du, wenn du magst, in Gedanken an einen schönen Ort begeben. Einen Strand, vielleicht. Spürst den Sand unter den Füßen, hörst das Rauschen der Wellen, spürst den Wind auf deiner Haut, riechst das Salz der Meeresbrise….
Spüre da hinein… vielleicht 20 sec.
Dann öffne die Augen. Schaue mit den Augen nach rechts, dann geradeaus, dann links, wieder geradeaus. Wiederhole diese Abfolge der Augenbewegungen nochmal.
-> Jeweils ohne den Kopf dabei zu bewegen. nur die Augen bewegen sich.
Streichle währenddessen weiter deine Arme.
Dann schließe die Augen und gehe in Gedanken auf eine Blumenwiese. Fühle das Gras unter den Füßen, den sanften Wind auf deiner Haut, höre die Bienen summen, die Vögel zwitschern, rieche den Duft der Sommerwiese, die Blumen..
Öffne die Augen. Schaue wieder mit den Augen : rechts, geradeaus, links, geradeaus, rechts,geradeaus, links, geradeaus..
Dann lass die Arme los.
Folge dem Bedürfnis deines Körpers.. schüttle dich.. dehne dich… und lächle… :)
Unser vegetatives Nervensystem – auch autonomes Nervensystem genannt – steuert lebenswichtige Körperfunktionen, ohne dass wir bewusst eingreifen. Atmung, Herzschlag, Verdauung, Schweißproduktion – all das läuft automatisch. Doch wenn Angst, Stress oder Trauma ins Spiel kommen, schaltet dieses System blitzschnell auf Überlebensmodus: Fight, Flight oder Freeze.
Was ist das vegetative Nervensystem?
Das vegetative Nervensystem ist ein Teil des peripheren Nervensystems. Es hat zwei Hauptzweige:
- Sympathikus: Aktiviert den Körper – Kampf oder Flucht.
- Parasympathikus: Beruhigt und reguliert – Erholung, Verdauung, Schlaf.
Normalerweise arbeiten beide im Gleichgewicht. Doch bei Stress, Angst oder Trauma übernimmt oft der Sympathikus – mit spürbaren körperlichen Folgen.
Fight – Der Angriffszustand
Der Körper macht sich bereit zum Kämpfen. Typische Symptome:
- Erhöhter Herzschlag
- Muskelanspannung
- Gesteigerter Blutdruck
- Enger Fokus, Tunnelblick
- Gereiztheit oder Wut
Neurotransmitter im Spiel:
Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet. Diese Stresshormone steigern Energie und Konzentration. Der Körper steht unter Strom.
Flight – Die Fluchtreaktion
Das System bereitet sich auf Weglaufen vor:
- Schnelle Atmung (Hyperventilation)
- Kalte Hände und Füße (Blut zieht sich in die Körpermitte zurück)
- Zittern
- Herzrasen
- Nervosität und Panik
Auch hier spielen Adrenalin und Noradrenalin eine zentrale Rolle. Zusätzlich kann Cortisol freigesetzt werden – ein Hormon, das den Körper auf längeren Stress vorbereitet.
Freeze – Der Erstarrungsmodus
Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind, schaltet das System in den „Totstell-Reflex“. Der Parasympathikus übernimmt auf extreme Weise:
- Gefühllosigkeit, Taubheit
- Atem wird flach
- Herzfrequenz sinkt
- Gefühl von Dissoziation („nicht im eigenen Körper sein“)
- Innere Leere, Starre
Neurotransmitter und Hormone:
Hier ist Endorphin-Ausschüttung typisch – ein körpereigenes Schmerzmittel. Es betäubt, um den Schock zu überstehen.
Ängste, Sorgen, Traumata – wenn das System nicht mehr abschaltet
Eigentlich ist das autonome Nervensystem ein fein austariertes Alarmsystem. Doch bei chronischer Angst, dauerhaften Sorgen oder traumatischen Erlebnissen bleibt der Körper in einem der Überlebensmodi hängen.
- Dauerstress führt zu einem dauerhaft aktiven Sympathikus.
- Traumatische Erfahrungen können das System so stark belasten, dass es schon bei harmlosen Reizen überreagiert.
- Angststörungen oder PTBS sind oft Ausdruck eines Nervensystems, das nicht mehr zur Ruhe kommt.
- ein blockierter Atlaswirbel (1. Halswirbel)
Typische Begleitsymptome:
- Schlafstörungen
- Magen-Darm-Probleme (Reizdarm, Übelkeit)
- Verspannungen, Rückenschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Panikattacken
- Hormonstörungen
- u.v.m.
Was hilft dem Nervensystem?
Um das vegetative Nervensystem zu regulieren, braucht es gezielte Impulse:
- Atemübungen – verlängertes Ausatmen aktiviert den Parasympathikus.
- Körperarbeit – z. B. Yoga, TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises).
- Sichere soziale Verbindungen – Nähe und Vertrauen signalisieren dem Nervensystem: Du bist sicher.
- Therapie – z. B. Somatic Experiencing, EMDR oder Polyvagal-Therapie können helfen, alte Muster zu lösen.
- Atlastherapie
Es lohnt sich auch, die Neurotransmitter im Labor testen zu lassen. Dies kann über den 2. Morgenurin bequem von zuhause aus geschehen. Testmaterial bekommst du bei mir in der Praxis!
Das vegetative Nervensystem ist ein sensibler Seismograph für unser inneres Erleben. Es reagiert auf Ängste, Stress und Traumata – oft bevor wir bewusst etwas merken. Wer versteht, wie die körperlichen Symptome mit alten Erfahrungen und Neurochemie zusammenhängen, kann Wege finden, dem Körper Sicherheit zu geben – und den eigenen inneren Alarm wieder auf Normalbetrieb zu stellen.
Kleine Übung :
Setze dich hin und überkreuze die Arme, sodass du dich selbst umarmst. Streiche mit den Händen die Arme hinunter. Spüre die Haut oder den Stoff deiner Kleidung. Spüre in deine Hände hinein, was spürst du? Achte auf deine Empfindungen. Nimm wahr- ist es kalt, warm, weich, ist Spannung da…
wie fühlt es sich für deine Arme an, wenn deine Hände über sie streichen? Beschreibe in Gedanken deine Empfindungen.
Dein Gehirn wird darauf eingehen und in eine Entspannung schalten.
Du kannst dich auch selbst noch hin- und herwiegen, wenn es sich für dich gut anfühlt.
Dann kannst du, wenn du magst, in Gedanken an einen schönen Ort begeben. Einen Strand, vielleicht. Spürst den Sand unter den Füßen, hörst das Rauschen der Wellen, spürst den Wind auf deiner Haut, riechst das Salz der Meeresbrise….
Spüre da hinein… vielleicht 20 sec.
Dann öffne die Augen. Schaue mit den Augen nach rechts, dann geradeaus, dann links, wieder geradeaus. Wiederhole diese Abfolge der Augenbewegungen nochmal.
-> Jeweils ohne den Kopf dabei zu bewegen. nur die Augen bewegen sich.
Streichle währenddessen weiter deine Arme.
Dann schließe die Augen und gehe in Gedanken auf eine Blumenwiese. Fühle das Gras unter den Füßen, den sanften Wind auf deiner Haut, höre die Bienen summen, die Vögel zwitschern, rieche den Duft der Sommerwiese, die Blumen..
Öffne die Augen. Schaue wieder mit den Augen : rechts, geradeaus, links, geradeaus, rechts,geradeaus, links, geradeaus..
Dann lass die Arme los.
Folge dem Bedürfnis deines Körpers.. schüttle dich.. dehne dich… und lächle… :)
Toxische Positivität
Die Kehrseite des Lächelns – Wenn positives Denken toxisch wird
In der Welt der Selbstoptimierung ist Positivität zum Verkaufsargument geworden. „Denk positiv!“, „Think pink“, „Wunscherfüllung durch positive Affirmation“, „Good vibes only!“ (beliebter Kaffeetassen Spruch)
– diese Sprüche sieht man täglich auf Social Media odef in Ratgebern. Positive Affirmationen und gute Laune gelten als Schlüssel zu Erfolg und Glück. Aber was, wenn genau diese Haltung uns schadet?
Willkommen in der Welt der „toxischen Positivität“.
Was ist toxische Positivität
Toxische Positivität ist die übersteigerte, zwanghafte Fokussierung auf das Positive – selbst dann, wenn die Situation eindeutig negativ ist. Es geht nicht mehr darum, optimistisch zu bleiben, sondern darum, unangenehme Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst zu verdrängen.
An Stelle der negativen Gefühle werden positive gesetzt, oder auch gezielt affirmiert.
Die dunkle Seite der Dauerfröhlichkeit
1. Emotionale Unterdrückung
Wenn wir unangenehme Gefühle ständig wegschieben, verschwinden sie nicht – sie stauen sich. Wut wird zu Groll. Trauer wird zu Erschöpfung. Angst wird zur Panik. Wer sich nicht erlaubt, negative Emotionen zu fühlen, verliert den Zugang zu sich selbst.
2. Isolierung und Schuldgefühle
Menschen, die „nicht mithalten“ können mit der allgemeinen Glücksperformance, fühlen sich falsch. Wer traurig ist, schämt sich. Wer zweifelt, fühlt sich schwach. Die Botschaft: Du bist nur dann wertvoll, wenn du positiv bist – alles andere ist ein Makel.
3. Oberflächliche Beziehungen
Wenn alle so tun, als sei immer alles super, bleibt kein Raum für echte Nähe. Tiefe entsteht, wenn wir uns verletzlich zeigen dürfen. Wenn wir ehrlich über unsere Kämpfe sprechen – ohne dass jemand versucht, sie mit einem Spruch wegzuwischen.
Was wir stattdessen brauchen
Radikale Ehrlichkeit.
Es ist okay, mal nicht okay zu sein. Gefühle sind nicht gut oder schlecht – sie sind Signale. Wenn wir sie ernst nehmen, können wir herausfinden, was wir brauchen. Wenn wir sie ignorieren, verlieren wir den Kompass.
Empathie statt Optimierung.
Wenn jemand leidet, hilft kein „Kopf hoch“. Was hilft, ist echtes Zuhören. Da sein. Empathie, ohne zu urteilen oder zu reparieren.
Positivität mit Bodenhaftung.
Positive Affirmationen haben ihren Platz – aber sie sollten nicht dazu dienen, die Realität zu übermalen. Wahre Stärke ist nicht das ewige Lächeln, sondern die Fähigkeit, mit allen Facetten des Lebens umzugehen. Auch mit den dunklen.
Positivität ist kein Problem – solange sie echt ist. Wenn sie zur Pflicht wird, zur Maske, zum Dauerlächeln um jeden Preis, dann wird sie toxisch.
"Es ist günstig, die Welt ein wenig rosarot zu sehen" sagt Prof. Astrid Schütz (Uni Bamberg), dies helfe, einen hoffnungsvollen Blick auf das Leben zu haben.
Bei einer kleinen Studie fanden amerikanische Forscher heraus, dass die Testpersonen nach unterdrückten Emotionen- durch Stress ausgelöst, danach noch belasteter waren (auch auf körperliche Parameter getestet, wie z.b. die Herzfrequenz), im Gegensatz zu der Kontrollgruppe, die die Gefühle "ausleben" durften.
Auch sind Personen, die Glück im Leben als besonders wichtig erachten, häufiger enttäuscht. Hier kam es häufiger zu depressiven Phasen, Frustration und Grübeln.
Wirkliches Wohlbefinden entsteht nicht durch das Verdrängen des Negativen, sondern durch das Annehmen der ganzen Bandbreite unserer Gefühle. Verdrängte Emotionen kommen zurück, meist stärker als zuvor.
Auch lohnt es sich, manche der unangenehmen Emotionen/Gefühle näher zu betrachten. Sie können sehr viel zeigen und die Persönlichkeit wachsen lassen. Getreu nach dem Spruch "Erkenne dich selbst".
Ein gesunder Pessimismus, wie man ihn z.b. im Stoizismus praktiziert, kann sehr hilfreich sein und ebenfalls die Persönlichkeit schulen. Es handelt sich um eine Meditationsart, der Praemeditatio malorum, oder auch negative Visualisierung genannt. Man stellt sich hier von Zeit zu Zeit zukünftige Unannehmlichkeiten oder gar Katastrophen vor. So kann man sich auf schlechte Zeiten vorbereiten.
Tatsächlich zeigen Studien, dass gerade diese Technik Negatives zu visualisieren, Menschen glücklicher im Alltag macht, Angst nimmt, sie insgesamt resilienter macht.
Eine weitere Übung im Stoizismus ist Prosoché. Die Achtsamkeitsübung der Stoiker. Hier bleibt man achtsam im Augenblick und untersucht die Gefühle, die gerade vorherrschend sind. Gerade auch die negativen Gefühle. Man trainiert den richtigen Umgang mit ihnen. Gerade die manipulativen Macht mancher starker Emotionen wie Zorn, Wut oder panikartige Angst, können die Person vom klaren Denken abhalten. Durch Übung kann man Distanz gewinnen, Beobachter der Emotionen werden und trotzdem klar Denken und Handeln.
In der Welt der Selbstoptimierung ist Positivität zum Verkaufsargument geworden. „Denk positiv!“, „Think pink“, „Wunscherfüllung durch positive Affirmation“, „Good vibes only!“ (beliebter Kaffeetassen Spruch)
– diese Sprüche sieht man täglich auf Social Media odef in Ratgebern. Positive Affirmationen und gute Laune gelten als Schlüssel zu Erfolg und Glück. Aber was, wenn genau diese Haltung uns schadet?
Willkommen in der Welt der „toxischen Positivität“.
Was ist toxische Positivität
Toxische Positivität ist die übersteigerte, zwanghafte Fokussierung auf das Positive – selbst dann, wenn die Situation eindeutig negativ ist. Es geht nicht mehr darum, optimistisch zu bleiben, sondern darum, unangenehme Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst zu verdrängen.
An Stelle der negativen Gefühle werden positive gesetzt, oder auch gezielt affirmiert.
Die dunkle Seite der Dauerfröhlichkeit
1. Emotionale Unterdrückung
Wenn wir unangenehme Gefühle ständig wegschieben, verschwinden sie nicht – sie stauen sich. Wut wird zu Groll. Trauer wird zu Erschöpfung. Angst wird zur Panik. Wer sich nicht erlaubt, negative Emotionen zu fühlen, verliert den Zugang zu sich selbst.
2. Isolierung und Schuldgefühle
Menschen, die „nicht mithalten“ können mit der allgemeinen Glücksperformance, fühlen sich falsch. Wer traurig ist, schämt sich. Wer zweifelt, fühlt sich schwach. Die Botschaft: Du bist nur dann wertvoll, wenn du positiv bist – alles andere ist ein Makel.
3. Oberflächliche Beziehungen
Wenn alle so tun, als sei immer alles super, bleibt kein Raum für echte Nähe. Tiefe entsteht, wenn wir uns verletzlich zeigen dürfen. Wenn wir ehrlich über unsere Kämpfe sprechen – ohne dass jemand versucht, sie mit einem Spruch wegzuwischen.
Was wir stattdessen brauchen
Radikale Ehrlichkeit.
Es ist okay, mal nicht okay zu sein. Gefühle sind nicht gut oder schlecht – sie sind Signale. Wenn wir sie ernst nehmen, können wir herausfinden, was wir brauchen. Wenn wir sie ignorieren, verlieren wir den Kompass.
Empathie statt Optimierung.
Wenn jemand leidet, hilft kein „Kopf hoch“. Was hilft, ist echtes Zuhören. Da sein. Empathie, ohne zu urteilen oder zu reparieren.
Positivität mit Bodenhaftung.
Positive Affirmationen haben ihren Platz – aber sie sollten nicht dazu dienen, die Realität zu übermalen. Wahre Stärke ist nicht das ewige Lächeln, sondern die Fähigkeit, mit allen Facetten des Lebens umzugehen. Auch mit den dunklen.
Positivität ist kein Problem – solange sie echt ist. Wenn sie zur Pflicht wird, zur Maske, zum Dauerlächeln um jeden Preis, dann wird sie toxisch.
"Es ist günstig, die Welt ein wenig rosarot zu sehen" sagt Prof. Astrid Schütz (Uni Bamberg), dies helfe, einen hoffnungsvollen Blick auf das Leben zu haben.
Bei einer kleinen Studie fanden amerikanische Forscher heraus, dass die Testpersonen nach unterdrückten Emotionen- durch Stress ausgelöst, danach noch belasteter waren (auch auf körperliche Parameter getestet, wie z.b. die Herzfrequenz), im Gegensatz zu der Kontrollgruppe, die die Gefühle "ausleben" durften.
Auch sind Personen, die Glück im Leben als besonders wichtig erachten, häufiger enttäuscht. Hier kam es häufiger zu depressiven Phasen, Frustration und Grübeln.
Wirkliches Wohlbefinden entsteht nicht durch das Verdrängen des Negativen, sondern durch das Annehmen der ganzen Bandbreite unserer Gefühle. Verdrängte Emotionen kommen zurück, meist stärker als zuvor.
Auch lohnt es sich, manche der unangenehmen Emotionen/Gefühle näher zu betrachten. Sie können sehr viel zeigen und die Persönlichkeit wachsen lassen. Getreu nach dem Spruch "Erkenne dich selbst".
Ein gesunder Pessimismus, wie man ihn z.b. im Stoizismus praktiziert, kann sehr hilfreich sein und ebenfalls die Persönlichkeit schulen. Es handelt sich um eine Meditationsart, der Praemeditatio malorum, oder auch negative Visualisierung genannt. Man stellt sich hier von Zeit zu Zeit zukünftige Unannehmlichkeiten oder gar Katastrophen vor. So kann man sich auf schlechte Zeiten vorbereiten.
Tatsächlich zeigen Studien, dass gerade diese Technik Negatives zu visualisieren, Menschen glücklicher im Alltag macht, Angst nimmt, sie insgesamt resilienter macht.
Eine weitere Übung im Stoizismus ist Prosoché. Die Achtsamkeitsübung der Stoiker. Hier bleibt man achtsam im Augenblick und untersucht die Gefühle, die gerade vorherrschend sind. Gerade auch die negativen Gefühle. Man trainiert den richtigen Umgang mit ihnen. Gerade die manipulativen Macht mancher starker Emotionen wie Zorn, Wut oder panikartige Angst, können die Person vom klaren Denken abhalten. Durch Übung kann man Distanz gewinnen, Beobachter der Emotionen werden und trotzdem klar Denken und Handeln.
Ratschlag
"Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit."
Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter von Johann Wolfgang von Goethe
Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter von Johann Wolfgang von Goethe











